Vorgegauckelt

Ich sollte twittern, das ist einfacher als zu bloggen. So einfach geht das also. Ein bisschen fragwürdige Statistiken der Springerpresse, ein bisschen Meinungsmache, und fertig ist der Kanditat. Der, der beim letzten Mal nicht gut genug war. Kleine Zitatsammlung.

„Wie in einer alternden Beziehung seien im Verhältnis von Ost- und Westdeutschen „Gebrauchsspuren sichtbar“, und gerade viele frühere DDR-Bürger hätten ein Ideal gesucht und die Realität gefunden: „Wir träumten vom Paradies und wachten auf in Nordrhein-Westfalen“, sagte Gauck in Hannover. Ein Bild, das er schon vor Jahren verwendet hat – und das er seither immer wieder gern zitiert. Nordrhein-Westfalen, das sei eben das Symbol für den Alltag im Westen gewesen.“ (1)

„Ich kenne die meisten meiner Unterstützer gar nicht. Mein Sohn hat mich neulich gefragt, wann ich eigentlich Kontakt zu der Szene im Internet hatte – ich habe geantwortet: Nie, ich bin nicht bei Facebook und in diesen vielen Netzwerken. Die meisten Unterstützer sind doch viel zu jung um etwas über mögliche Verdienste aus der Vergangenheit zu wissen. Andererseits ist es auch toll: Da melden sich Leute zu Wort – und sprechen sich für ihre Demokratie aus! Sie wollen an ihr Land glauben. Das ist beeindruckend und ermutigend.“ (2)

„Eines hätte ich jedenfalls vor: Darauf hinzuwirken, dass die Regierung ihre Politik besser erklärt. Beispiel Afghanistan: Warum sagen wir nicht in klaren Worten, was los ist? Dass unsere Soldaten dort im Auftrag der Vereinten Nationen Terrorismus bekämpfen und daneben noch eine Menge Gutes für die Menschen in Afghanistan tun. Oder das Sparpaket: Natürlich muss gespart werden – aber das muss der Bevölkerung vermittelbar sein.“ (3)

sueddeutsche.de: Also als politisches Wesen. Nach Aristoteles ist der Mensch dazu gemacht, in Gemeinschaft zu leben.
Gauck:
Das zu begreifen, ist eine enorme Chance, glücklicher zu werden.
sueddeutsche.de:
Wie bringen Sie das den Menschen bei, die Hartz IV empfangen und ihre Kinder nicht jeden Tag zur Schule bringen, weil sie keinen Sinn darin sehen?
Gauck:
Erst einmal sage ich ihnen, dass es keine Tugend ist, wenn man dort sitzt, den ganzen Tag Zeit hat und den Gören kein Mittag macht. Das darf man auch kritisieren.
(…)
Wir sehen ja auch in den Kreisen der Hartz-IV-Empfänger Leute, die politisch aktiv sind und auf eine Demonstration gehen. In diesem Moment verändert sich schon ihr Leben. Sie zeigen Haltung. Das ist sehr viel wichtiger, als dafür zu sorgen, dass die Alimentierung immer rundum sicher ist. (4)

sueddeutsche.de: Herr Gauck, Sie sagen, mutige Politiker seien Ihnen lieber. Ist Thilo Sarrazin mutig?
Gauck:
Er ist mutig und er ist natürlich auch einer, der mit der Öffentlichkeit sein Spiel macht, aber das gehört dazu. Er setzt sich dem Missbehagen von Intellektuellen und von Genossen seiner Partei auseinander – darunter werden viele sein, deren Missbilligung er eigentlich nicht möchte. Nicht mutig ist er, wenn er genau wusste, einen Punkt zu benennen, bei dem er sehr viel Zustimmung bekommen wird.
sueddeutsche.de:
Haben Sie sein umstrittenes Buch ‚Deutschland schafft sich‘ ab gelesen?
Gauck:
Nein, habe ich nicht. Aber wie ich die Debatte verfolgt habe, gibt es eben einen Teil, wo man sagen muss: Da weist er auf ein Problem hin, das nicht ausreichend gelöst ist. Das andere sind seine biologistischen Herleitungen.
sueddeutsche.de:
Sarrazins Thesen von erblich weniger intelligenten Kindern bei bestimmten Gruppen.
Gauck:
Wenn er das so behauptet, dann würde ich das auch kritisieren. Ich kann nicht einfach zum Parteigänger werden, aber ich würde mir sehr sorgfältig überlegen, ob ich den Typ aus der SPD ausschließe.
(…)
sueddeutsche.de:
In Ihrem Fall waren sich öffentliche und veröffentlichte Meinung einig. Bei Thilo Sarrazin jedoch scheinen sich die politische Klasse und die Medien gegen die Mehrheit der Menschen verschworen zu haben. Wie erklären Sie sich das?
Gauck:
Ich habe das etwas anders wahrgenommen. Der seriösere Teil der Medien ist eher kritisch gegenüber Sarrazin, der – sagen wir – volksnahe Teil eher positiv. Intellektuellen fällt es schwer, zu akzeptieren, dass mit dem Element des Tabubruchs Politik gemacht wird. Mein Eindruck ist, dass der Herr Sarrazin nicht ein Problem erfunden hat. (5)

sueddeutsche.de: Sie werden also nicht noch mal antreten, um Bundespräsident zu werden?
Gauck:
Das ist eher unwahrscheinlich. Ich sehe mich mehr als Bürger, der mitredet. (6)

Weltweit demonstrieren Hunderttausende gegen die Macht der Märkte, doch Joachim Gauck glaubt nicht an die Bewegung: Der Ex-Bürgerrechtler, Ex-Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde und Ex-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, spricht von „romantischen Vorstellungen“ und „Irrtum“. Gleichzeitig warnt er vor einer Protestkultur, die „aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht“. Die deutsche Neigung zu Hysterie und Angst sei „abscheulich“. (7)

In diesem Sinne. Schönen Gruß aus dem paradiesischen Westfalen nach Rostock.

Quellen:

(1) http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Gauck-will-mit-Glaubwuerdigkeit-ins-Praesidentenamt
(2) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700661,00.html
(3) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,700661-2,00.html
(4) http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-mit-joachim-gauck-mutige-politiker-ziehe-ich-vor-1.1006223
(5) http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-mit-joachim-gauck-mutige-politiker-ziehe-ich-vor-1.1006223
(6) http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-mit-joachim-gauck-warum-ueberlassen-wir-den-stolz-den-bekloppten-1.1006716-5
(7) http://www.sueddeutsche.de/politik/occupy-beweung-und-die-macht-der-finanzmaerkte-gauck-empfindet-antikapitalismus-debatte-als-unsaeglich-albern-1.1166051