Transparenz UND Mitmachen?

Tortuga (Saarland), 25.3.2012, 18:00. Ein kleiner gelber Balken springt auf 1,5%. Jubel. Ein etwas größer Balken in Orange springt auf 7,5%. Die Jubellautstärke steigt im Saarland, in Münster und auf einem (mit einem Kreuz ausgeschmückten) Landesparteitag in Bayern in gesundheitsgefähdende Bereiche.

Da sind sie nun. Nach Berlin entern die Piraten in Saabrücken auch den Landtag. Die FDP ist sich derweil noch nicht ganz sicher wie die Nerds alle auf die Straße gekommen sind, vermutet aber, komuniziert via Döring, eine „Tyrannei der Massen“. Also eine Tyrannei eben jener Masse, die der FDP genau 1,2% an Glaubwürdigkeit zugestanden hat. Interessant, das sind 2.644 Wähler. Die FDP-Saar hat 1.826 Mitglieder.
Das schreit nach Selbsthilfegruppen. Thema:  „Wie erkläre ich meinem Ehepartner, dass ich seine Partei nicht wählen kann?“

Aber genug von den gelb-blauen. Über die Toten nur gutes. Daher nun zu den Lebenden. Dieser Worte sind Goxy gewidmet: Auf das die Republik von nun an wissen möge, die Definition „Transparenz- und Mitmachpartei“ ist unzureichend. Für nun und alle Zeit.

Viele Leute scheinen zu glauben es gehe hier nur ums Internet. Das ist FALSCH. Es geht auch nicht NUR um Transparenz. Wie in jeder ordentlichen Rollenspielgilde auf einem handelsüblichen Warcraft-Server gibt es einen Kodex. Einen Piratenkodex. Das ist einfach, man lese hier:

Das ist großartig. Es ist so viel mehr als NUR ein oder zwei Punkte. Ja, sie haben sogar ein Programm. Das kann man genau dort lesen. Diese Seite wurde von einem Großteil der Medien bisher nicht gefunden. Die Piraten wollen auch keine illegalen Downloads für alle. Sie wollen auch nicht das Urheberrecht abschaffen. Da kann sich jeder informieren was die Partei möchte, stünde auch einigen ihrer Mitglieder mal gut zu Gesicht. Nur bevor wieder ein Pirat auf einem LPT steht, kandidiert und dabei vergißt zu sagen was er oder sie im Landtag machen will, dafür aber erzählt was schon alles getan wurde.

Leider hat diese offene Struktur auch Nachteile. Sogar das ZDF hat einige Strukturen erkannt und berichtet. Jemand geht auf die Bühne und bekommt unter Umständen sehr unangenehme Fragen gestellt. Interessant wird es dann, wenn man neben dem Live-Stream im Twitter mitliest. Entnommen aus dem Protokoll auf der Wikiseite der Piraten. Und von der Twitterseite.

Frage: Wie glaubst du in einem großen Team im Landtag zusammenzuarbeiten, wenn gegen dich Anzeigen wegen Verleumdnung vorliegt?

Antwort: Wenn es tats so sein sollte, ist mir das noch nicht mittgeteilt worden. mir ist davon nichts bekannt.(…)

Jetzt gehts los im Twitter.

Weiter mit dem Kommentar nach der Frage “ Was haben die Leute gegen dich? „

Die Springerpresse, in einem Anflug von Skandalgeil, war flink dabei und flitzt direkt zur Fragestellerin der ersten Frage, die prompt ablehnt. Besser so.

Und weil die meisten Piraten doch medienkompetent sind,
klappt das was ich hier mache auch Live:

Und nun zum Finale.

Ich fasse zusammen. Man erstattet Freitags vor dem Landesparteitag eine Anzeige und knallt sie am Samstag dem Kandidaten um die Ohren. Auch wenn es der frühest mögliche Zeitpunkt war, ist der Kandidat Intransparent-Uninformiert und wird anschließend nicht gewählt. Einen Zusammenhang kann man konstruieren, aber nicht beweisen.

In Anbetracht der Tatsache, dass Kandidaten Stimmen bekommen haben, die nach demokratischem Verständnis unwählbar sind (wie z.B. Robin Fermann) , gehe ich persönlich davon aus, dass sich viele der Basispiraten am ersten Tag (nur) ein Bild vor Ort gemacht haben.

Und das ganze beschriebene aus einem Kreisverband.  Ein Kölner geht nach vorne, der 1. Vorsitzende des KV Köln legt im Twitter los. Der nächste Kölner weiß zumindest von der Anzeige, nur der Kölner auf der Bühne weiss nichts. Das ist doch fast schon ein echter Klüngel, oder?

Ich möchte niemanden verteidigen, ich habe keine Ahnung wie die genau Situation bzgl. der Anzeige ist. Den Begriff Unschuldsvermutung reinwerfen ist reine Makulatur, zumal man lange genug von der Kandidatur wußte. Ein Effekt war gegeben. Der Stil ist einfach scheisse, hinterhältig und vor allem eins nicht: Transparent. Egal was vorher passiert ist.

Update 2 Stunden später:

Nun wird geredet im Mumble. Sieht schwer nach verhärteten Fronten aus. Das macht das Manöver auf dem LPT nicht netter, aber immerhin wird nun mal MITeinander geredet.