Mal kurz auf die Lippe gebissen

Kennt ihr Lippe? Also den Kreis Lippe?: „Das Lipperland hat viel zu bieten. Auf einer Fläche von 1.246 km² leben im Kreis Lippe rund 350.000 Einwohner in 16 Städten und Gemeinden.“

Die realistische Betreachtung dieser Beschreibung bedeutet soviel wie eine Ansammlung von Dörfern bei denen die Bevölkerungsdichte der Schweine und Kühe höher ist, als die der Ureinwohner. Schon um das Jahr 1500 hatten sich 5 Familien im Lipper Land angesiedelt, die sich seitdem untereinander fleißig vermehren. Das sind die 5 Blätter der Rose. Via Carepaket und Vereinnahmung im Landschaftsverband Wesfalen-Lippe versorgt Westfalen den Kreis Lippe mit Strom, Nahrung und Tierfutter. Jetzt sollte man meinen, wo es keine Küste gibt und kaum Menschen, gibt es auch keine Piraten. Falsch. Naja, fast falsch. Da laufen Piraten rum und Leute die sich für solche halten. Eigentlich bestehen aber 90% der Piraten in dem Bereich aus FDPlern die glauben „Die Piraten“ seien der Ortsnahe, hierarchisch gut strukturierte Brauchtumsschützenclub zum Erhalt von Obrigkeitsdenken e.V.

Wer diese steile These untermauern möchte, muss einfach nur die Mailingliste des Kreises Lippe lesen. Während wir in Bochum nur in Fällen akuter Steuditis Shitstorms in Multicolor produzieren, habe ich bisweilen den Eindruck das ist im Lipper Land der Normalzustand. Die Berliner beantragen Ponytime, ich werde demnächst GO-Antrag auf Lippe-Liste stellen: Die Protokollantin hat eine angemessene Email der Liste Lippe zur allgemeinen Erheiterung vorzulesen. Und bis es soweit ist nun ein paar Auszüge:

Es sollte stets mindestens klar erkennbar sein, welches befugte Organ innerhalb der Parteistruktur entschieden hat, worüber und weshalb so entschieden wurde, an welchem Ort und zu welcher Zeit, und worauf sich die Befugnis begründet, soweit sie sich nicht unmittelbar aus den befugten Organen bzw. Strukturen ergibt.

Nach einem Hinweis, dies sei Politik 1.0. war die Antwort ‚Exakt!‘. ‚Exakt!‘ ist in dem Fall sowas wie *plonk* oder *ploink*, also eine Interjektion, lautmalerische Beschreibung wie der Versuch von Kritik am Brett vorm Kopf abprallt. Und so sieht die weitere Antwort dann auch aus :

Genau. Trotzdem haben wir Organe, die aufgrund von Beschlussfähigkeit zu Beschlüssen kommen und somit Befugnisse haben. Auch haben wir Strukturen. Das Problem, dass es so etwas in der echten Welt gibt und niemals unproblematisch sein kann, war ja gerade der Anlass für mein Schreiben.

An der Stelle hab ich ja persönlich aufgehört zu lesen. „In der echten Welt“. Schon wieder so einer. Ich will solche Leute sofort aufs Spieleraster ziehen. Ich dachte sowas wie ‚fu‘ und wartete die nächsten Tage ab. Als hätte ich es bestellt, das Desaster ging weiter. Der Titel war „Verhalten auf dieser Mailingliste“. Wie nicht anders zu erwarten versucht schon wieder irgendjemand Verhaltensrichtlinien aus 1.0 nach 2.0 zu transferieren. Ohne Umarbeitung. Weil es so schön ist, ist die erste Antwort ein Fullquote mit „+1“. Sie haben Steuditis!

In einem solchen Umfeld, was sich irgendwo zwischen 28K Modems und C64 bewegt findet man sogar Stammtischprotokolle mit bahnbrechenden Erkenntnissen.

  • Bilanz Social Media
  • Bilder bringen Likes und KlicksVorgehen bei der Disskussionsführung:
  • Meinungsbild: Wer ist dafür, dass zu Beginn der Veranstaltung eine 45min lange, offene Fragerunde stattfindet?
  • Einstimmig dafür

Ich glaube wenn ich zu meinem ersten Stammtisch in Bochum gegangen wäre und jemand hätte abgestimmt ob man zu Beginn eine Offene Fragerunde macht, ich wäre nie wieder gekommen und niemals Pirat geworden.

Darauffolgend kommt eine Mail mit der Betreffzeile „Stände morgen in den lippischen Metropolen“. Damit sind gemeint Bad Salzuflen, Detmold, Lemgo und Lüdge. Metropolen. Detmold, die Metropole an der Lippe. Da ist dieses kleine Dorf am Hudson River ein Scheiß gegen.

Der bisherige Höhepunkt war dann das weiterleiten eines LQFB-Antrages der auch schon auf der NRW-Liste thematisiert wurde. Generell sollte man Themen, die da behandelt werden, nicht auf den lokalen Listen thematisieren. Die Trollquote auf der NRW Liste gleicht ja in etwa der des Knuddels-Chats. Jedenfalls hat einer der Listentrolle das LQFB getrollt und einen Artikel zum Thema Gaskammern eingesetzt. Und genau zu diesem Mist lese ich:

[in] gewissen Bereichen muss es aber nach meiner festen Überzeugung Denkverbote geben. Persönliche wie Öffentliche. Dieses Thema und diese Forderung gehören dazu!

Sowas erzeugt sogar bei den Piraten in Lippe Gegenwind. Wie Godwin es will fliegt dann auch schon mal das Wörtchen ‚Bücherverbrennung‘ und dann geht’s munter weiter:

Das Du mich bzw. meine Meinung in einem Atemenzug mit der Bücherverbrennung in Zusammenhang bringst ist einfach ein absolutes NO GO!!! Die Bücherverbrennung, insb. in diesem Kontext, suggeriert allen Lesern, dass ich mich gedanklich in einem Spektrum bewege, das denen der Nationalsozialisten der 30er und 40 er Jahren des letzten Jahrhunderts nahe kommt. Ja hallo, geht es noch?

Ich erwarte hier auf dieser Mailingliste eine absolute Klarstellung von Dir!

YEAH!!!! NO GO!!!!!!11111Elf!!!!! Ich fordere Satisfaktion. Ich werf dir meine Gummistiefel ins Gesicht. SKANDAL! Ungeachtet dessen, dass inzwischen ganz NRW (naja, fast ganz NRW) gecheckt hatte, dass es kein ernster Vorschlag war, sondern komplett hirnamputiertes rumgetrolle, geht es weiter:

Es gibt aber auch Dinge über die man nicht diskutieren darf, die einfach abzulehnen sind und fertig. Darunter fällt für mich der Einsatz von Gaskammern gegenüber Andersdenkenden. ich möchte in keiner Partei sein, die solchen Überlegungen eine ernsthafte Basis bietet um sich im Diskurs mit Pro- und Kontraargumenten auszutauschen.

Nach weiteren, gefühlten 15 Mails war die Sache dann endgültig geklärt. Letztlich kann ich sagen, wenn ich abends die Lippe-Liste gelesen habe, hat das zwei Effekte. Erstens, ich musste so lachen, dass ich konzentriert weiter arbeiten kann. Zweitens, Frank Goosen hatte ganz recht, als er über Bochum sagte „Weisse, woanders is‘ auch Scheiße“.