Rezension

Ich hatte heute mehrere Möglichkeiten mir ein Thema auszusuchen. Aber eigentlich kann es nur eins geben. Es ist Holocaust-Gedenktag. Das wäre eine wunderbare Möglichkeit alles, wie üblich, durch den Kakao zu ziehen. Es ist ja nicht so schwer. Ein polnisch-stämmiger Deutscher namens Miroslav Klose spielt bei einem Faschistenverein, die NSU-Affäre wurde gar nicht so recht bemerkt, der Überwachungswahn des Staates pendelt sich irgendwo zwischen Gestapo und Stasi ein, aber wir gedenken trotzdem mal und die Knessed hat es ernsthaft geschafft, dass zum Gedenktag nur 21 Abgeordnete und 4 Minister erschienen sind. Und das liegt nicht daran, dass der Rest schon tot ist. Man geht suchen und findet Nachrichten wie „80% der Juden glauben an Gott“. Und die anderen 20%? Glauben nicht an Gott und sind trotzdem Juden? Soviel dann zum Thema Säkularisierung im 21. Jahrhundert. Ich brauche gar nichts durch den Kakao ziehen, ich muss nur hören was die Menschen sagen und tun und sehe das wir, wir sind Europäer, Israelis, Palästinenser und Amerikaner, von unserer eigenen Geschichte und den täglichen Nachrichten schon von ganz alleine durch den Kakao gezogen werden.

All das zeigt nun, dass immernoch dieselben Fehler gemacht werden und das man Angst haben muss, dass der durchschnittliche Stammtisch-Deutsche ein viertes Reich genausowenig verhindern würde wie er es bei dem dritten Reich getan hat. Also nun, eine kleine Buchbeschreibung. Dieses Buch heißt „Charnel Houses of Europe“ und gehört zu einem Spiel namens „Wraith“. In diesem Spiel geht es um Geister Verstorbener, die nicht zur Ruhe kommen, weil sie in ihrem Leben noch unerledigte Aufgaben oder geliebte Dinge zurückgelassen haben.  Und genau dieses Buch befasst sich mit den Opfern aus Auschwitz und dem Warschauer Ghetto. Ein heikles Thema für ein Spiel, muss man sich doch mit dem gesamten Grauen auseinandersetzen. Schlägt man das Buch auf, zeigt sich sofort warum solche Spiele, solche Gedenktage, Lieder, Texte und Zeitzeugenberichte wichtig sind und bleiben werden. Damit auch der letzte versteht, dass man zur richtigen Zeit selber aufstehen muss und den Faschisten vor’s Schienenbein treten muss.