#Orgastreit und Mail an die Fraktion

Tl;dr Gibt es nicht, wenn ihr nicht genug Zeit habt zu lesen ist euch wahrscheinlich alles dermaßen egal,dass ich auch nichts mehr bewirken kann.

Hallo Welt! Hallo Fraktion!

Da Birgit angefangen hat ihre Meinung nicht über die Interne Liste zu posten, sondern auch zu bloggen, mache ich das nun auch. Zunächst eine Information um hier Gerüchte aus dem Weg zu räumen. Ich habe zwei Anträge an den Landesvorstand NRW gestellt. Das hatte Jens bereits gesagt ohne mich zu erwähnen, danke für Professionalität an der Stelle. Aber ich stehe zu dem was ich dort getan habe und werde im folgenden erklären warum.

Der erste Antrag war eine Aufforderung an den LaVo NRW den BuVo aufzufordern Julia Schramm aus dem Team zu nehmen. Ich habe kein Recht darauf, dass das durchgesetzt wird. Und der LaVo hat auch kein Recht das zu fordern, aber ich habe ein Recht es zu beantragen. Das ist wie mit denn Showanträgen der CDU. Muss einen nicht interessieren, muss aber bearbeitet werden. Hab’ ich im Landtag gelernt. Zielsetzung: Der LaVo war informiert, sensibilisert und schon mal wach. Den Antrag habe ich inzwischen zurückgezogen. (Ich bin halt doch schlauer als die CDU)

Danach folgte dieser Antrag:

https://schreibrephorm.piratenpad.de/45

Der Antrag besteht nur und ausschließlich aus Copy/Paste. Ich mein, hey, ich bin Pirat. Copy/Remix/Share kann ich. Ein Teil davon ist ein Antrag der inhaltlich so bereits in zwei Kreisverbänden abgestimmt und in mindestens 3 weiteren KV zur nächsten Mitgliederversammlung eingereicht wurde. Vorgestern wurde ich dann von der IT gebeten ins Mumble zu kommen um einen Text zu verfassen bezüglich des Orgastreits. Hab ich gemacht, habe ich gerne gemacht. Soviel zu den Fakten.

Zur Eingangsmail.

Da haben einige unter uns mit informellen Netzwerken für eine gar furchtbare Stellungnahme des Landesverbandes gesorgt, die nicht nur schlecht formuliert ist (zum Beispiel bezüglich Mehrheitsentscheidungen) und mindestens als geschichtlich unsensibel gesehen werden kann und vor allem komplett unsolidarisch ist gegenüber den Frauen, die gerade massiv bedroht werden. Da wird über die FDGO gesprochen (ohne, dass es auch nur irgendeinen Verstoß dagegen gegeben hat).

Einige war in dem Fall ich. Ob das geschichtlich unsensibel ist, ist Meinungssache. Menschen das zu unterstellen, nur weil sie einen Indymediaartikel und einen Tagesschaukommentar (sic!) zu wenig gesehen haben, finde ich vermessen. Man kann höflich darum bitten, dass sie ihre Wortwahl überdenken, oder korrigieren. Aber, wie nicht anders zu erwarten, kam direkt die Nazikeule in einigen Mails und auf Twitter.

Solidarität mit Frauen die bedroht werden? Ja, wenn Anne nun bedroht wird, ist das Scheiße. Richtig Scheiße. Denn sie hat das gleiche Recht auf Meinungsäußerung wie jeder andere auch. Solidarität für die Aktion? Nein. Ich fand sie schlichtweg bescheuert. Aber ich würde mich trotzdem jederzeit vor sie stellen, damit sie weiterhin ihre Meinung sagen darf, ob sie mir passt oder nicht.

Du sagtest Frauen, ich nehme an du meinst Julia.
Die Julia die mir vorgeworfen hat ich würde Wehrmachtssoldaten verherrlichen? Die mir rechtes Gedankengut unterstellt hat?
Die gestern @mspro und Joachim gebeten hat mit bestimmten Leuten nicht mehr zu sprechen? (“Bittet redet hier nicht mehr mit Menschen die mein Vertrauen mißbrauchen und aus vertraulichen Räumen „Dinge“ leaken”).
Die Julia ,die seit anderthalb Jahren durch massive Provokation erst lospoltert, dann ihren Twitteraccount schützt und weiter twittert wie lustig sie das alles findet und dann sagen sie werde bedroht und sei grad das Opfer von Gewaltandrohung?
Irgendwann ist dann der Zeitpunkt da wo Provokationen Wirkung zeigen. Wenn sie dann verbal angegriffen wird, kann man das verteidigen. Aber nicht dauernd. Selber Schuld. Solidarität? Nein. Nicht mit Julia. Dennoch würde ich auch sie hier verteidigen, wenn jemand verbieten würde ihre Meinung zu sagen.

“Das war schon nicht sehr hilfreich. Ich habe letztens schon mal vorsichtig versucht, über Machtstrukturen zu schreiben. Leider scheint es diesbezüglich keinerlei Erkenntnis zu geben bei einigen. Da wird nun also mit Mitarbeitern von uns und mit MdLs vermutlich in guter Absicht die IT als Erpressung verwendet. Ist mir im Grunde egal, weil Texte von mir nur noch außerhalb von Piratenstrukturen liegen, aber die Sache dahinter ist es nicht. Es ist eben gewalttätig und aus einer Machtposition heraus. Und das missfällt mir. Ebenso wird der Twitteraccount verwendet.

Ich habe kein Vertrauen mehr in Menschen, die so handeln. Derart unsolidarisch und gewalttätig. Meinung durchdrücken wollen auf so eine Art hat vielleicht nur alles schlimmer gemacht, weil eben da auch Kernthemen beschädigt werden.

(…)

Und dabei von Gewaltfreiheit reden. Merkt ihr das nicht?

Kann ich so nicht. Will ich so nicht. §

Gewaltfreiheit? Machtmißbrauch? Machtstrukturen? Dann erzähle ich jetzt mal was.
Menschen die du schätzt und die sich in deinem (auch) virtuellen Umfeld befinden waren es, die beim #om13Gate auf Domino rumgetrampelt haben, bevor sie auch nur wussten ob es ein Fake ist oder nicht. (Und das wissen die bis heute nicht sicher, weil Malte Wedding eben nicht die Weisheit mit dem Schaumlöffel gefressen hat.) Und als es angeblich ein Fake war, hat die halbe netzfeiministische Szene sich auf die Schultern geklopft wie toll sie sind. Ich fühlte mich an „Die Welle“ erinnert. Informelle Machtstrukturen.
Dieselben Menschen haben @shuteyed dermassen in den Dreck getreten, dass ich zwei Wochen gebraucht habe um sie wieder hinzustellen. Das ist passiert, nachdem dein Antwort-Blogbeitrag, geschrieben mit 3 anderen, über den üblichen Ablauf verbreitet wurde. Das was dort passierte, hat jegliche Diskussion über die PiratInnenKon und die OM13 um längen in den Schatten gestellt. Shut wurde unterstellt sie würde sich vom Patriarchat (das bin dann wohl ich) unterdrücken lassen. Mir haben sie an den Kopf geworfen ich würde meine Freundin vergewaltigen wenn ich mich nicht im Griff hätte. Die Nazivergleiche schenke ich euch, die sind nur noch absurd. Weil ich „jemand“ statt „jemensch“ oder „eins“ sage, war ich halt ein „sexistisches Maskuarschloch“.

Nach dem Tweet an dich, als man dir sagte, dass die Leute besoffen waren, als du gewählt wurdest, ist dein gesamtes Umfeld losgezogen und hat mich, nachdem ich sagte, du könntest mal deinen Job machen, mit Dreck überzogen. 260 Mentions in 24 Stunden. War jetzt nicht so lustig, aber auch das war so eben noch zu ertragen. Die üblichen Vorwürfe, von Fascho bis Masku, wieder alle dabei. Und wenn man, wie das bei mir der Fall ist, Zugriff auf vier Twitteraccounts hat, sieht man auch wer an welchen Stellen wo aufwiegelt und hetzt. Egal wer einen sicherheitshalber blockt.
Ich hab zum Fahnengate einen Blogbeitrag geschrieben und mich inhaltlich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht positioniert. Hat einige Leute aber trotzdem nicht davon abgehalten mir Deutschtümelei und „sinnlosen Nationalismus“ zu unterstellen.

Gewalt. So wie die IT jetzt mal, gemeinsam mit der Verwaltung, die Arbeit verweigert? Das nennst du Gewalt? Was tust du denn Moni und der Fraktion an, seit fast zwei Jahren? Moni hat so gut wie alle Reden gehalten und 90% der Arbeit im Bildungsausschuss alleine gemacht. Das war kein Warnstreik, da war Arbeitsverweigerung. Das es im Moment nicht geht ist vollkommen in Ordnung und wenn das mit deinen Augen nicht geht, dann tut mir das wirklich und aufrichtig leid. Das ist kein Sarkasmus. Aber du hast vorher auch schon nichts getan. Die gesamte Arbeit ist an Moni, den anderen Mitarbeitern und mir hängen geblieben. Wir konnten das mit Idealismus und einem immens hohen Arbeitspensum kompensieren. Vor allem Moni hat da eine Menge Energie und Herzblut reingesteckt. Und ist ruhig und sachlich geblieben und hat all das neben ihren Aufgaben als PGF gemanaged, auf eine Art und Weise die mir allerhöchsten Repsekt abringt. Ganz unabhängig davon, dass ich ihr persönlicher Mitarbeiter bin.

Wie du siehst, sind du und dein Umfeld  Teil dieser Gewalt, der Gewalt die du anprangerst, der Gewalt die andere Menschen kaputt macht, weil sie auf allem rumprügeln was nicht in deren Weltbild passt. Ich könnte hier Namen nennen, aber ich habe überhaupt keine Lust auf ad hominem Attacken auf die ganzen Leute die mich in den letzten 18 Monaten wie den letzten Scheiß behandelt haben und der Meinung sind, dass Anarchie eine gute Idee sei, selber aber die ihnen durch Vernetzung und informelle Netzwerke gegebene Macht eklatant missbrauchen.

Ich möchte, dass wir in dieser Partei zusammen arbeiten. Aber solange Menschen der Meinung sind, dass „Deutschland muss sterben“ und „Bomber Harris, Feuer Frei!“ sowie weitere, aus dem antideutschen Umfeld passende Zitate, in eine Partei gehören, die versucht mit akzeptablen Methoden Umstände zu ändern, geht das nicht.

Ich sage damit noch nicht mal, dass ich alle Aussagen die aus diesem Umfeld kommen schlecht sind. Viele Dinge die gesagt werden sind gut und richtig. Meiner Meinung nach. Sie passen nur nicht in eine demokratische Partei. Wir sind aber eine Partei und keine Terroristen. Einer der Punkte, über die ich am längsten nachgedacht habe, bevor ich eingetreten bin war, ob meine zum Teil sehr linken Meinungen in das Gefüge einer legitim agierenden politischen Partei passen.

Ich kann jeden verstehen, der sich bei einer Demonstration beteiligt. Grundrecht. Ich kann auch einen Hass auf diesen Staat verstehen. Ich kann auch verstehen, dass man in seinem Leben genug von gewalttätigen Polizisten verprügelt wurde, nur weil man die falsche Haarfarbe oder Hautfarbe hat. (Meine Haare waren sehr lange Schwarz/Rot, passend zu den Schnürsenkeln in den Springerstiefeln.). Alles erlebt, alles mitbekommen. Aber man muss dann die Regeln von dem Parkett beachten auf dem man tanzen will. Klar, man kann zum Erhalt der Flora vermummt demonstrierend in der ersten Reihe stehen. Oder mitten im schwarzen Block. Aber dann sollte man Malooxan 1:20 verdünnt in einer Plastikflasche mitnehmen um sich die Augen auszuwaschen. Kann man auch lassen, aber dann ist man halt neu im Geschäft. Ich weiß wie man Mollis baut, wirft und nutzt. Ich weiß wie ich Wasserwerfer lahmlege, ich kannte die Funkfrequenzen von jedem verdammten Polizeifunk im Ruhrgebiet. Ich kann wahrscheinlich mehr kommunistische und anarchistische Kampflieder als die halbe Fraktion (incl. Mitarbeiter) zusammen. Aber unsere Spielwiese sind nicht die Chaostage in Hannover, nicht die Schanze im Hamburg und nicht die erste Mai Demo in Berlin. Unsere Spielwiese sidn Parlamente und wenn wir das System ändern wollen, dann geht das weder mit Anträgen zu dritten Lesungen, noch mit Pflastersteinen, noch mit Klobürsten. Dann muss man das System von innen reformieren. Aber dann müssen auch alle mitarbeiten. Dann müssen wir zusammenarbeiten. Wir waren gut eingearbeitet. Wir haben Strukturen. Die sind da, aber wenn jeder seinen eigenen Mist zusammenbrutschelt, gibt das nie was und hinterher sind wir bei 2%.

Also an dich Birgit und auch an alle anderen. Wir haben hier eine Chance die wir vielleicht nie wieder bekommen. Arbeiten wir zusammen. Wenn ihr den anderen nicht versteht, wenn ihr Differenzen habt, redet. Bitte. Und macht euren Job. Und macht nicht nur die Hälfte. Das bleibt an den anderen hängen. Und vergesst mal eure persönliche Agenda. Ihr seid da weil Menschen an euch geglaubt haben. Weil Menschen an diese Partei geglaubt haben.

Habt Mut denen, die in diese Partei nicht reinpassen das zu sagen. Ihr seid nicht alleine damit.
Dieser Parlamentarismus ist anstrengend. Wir werden 2017 auf dem Zahnfleisch in den Wahlkampf gehen, aber ich will wissen ob ich für die Werte und die Ideale, für Freiheit und Bürgerrechte in diesen Wahlkampf ziehe. Mit euch zusammen.

Wenn das  irgendeiner nicht kann, oder es weiter auf Twitter ins lächerliche ziehen will, oder meint „Weiter so“ sei eine Option, oder meint die eigenen Ideologie sei die einzig wahre, dann mögen diese Menschen gehen. Jetzt. Sofort. Und Platz machen für die, die bereit sind sich für eine bessere Welt den Arsch aufzureißen.

Ich werde weiterhin nicht einen Text gendern, ich werde es auch niemandem verbieten.
Ich werde auch weiterhin Massenmord nicht als Nazibegriff empfinden, kann aber respektieren das andere das so sehen und versuchen es zu vermeiden.
Ich finde Quote immer noch beschissen, finde jeden Antrag dazu aber legitim.
Ich kann mit Feminismus immer noch nichts anfangen, lasse aber Menschen ihre Meinung, die das für richtig halten.

Ich werde nicht mehr schweigend zusehen wie Gruppen von Menschen in vermeintlicher moralischer Überlegenheit auf anderen rumtrampeln.

Ich werde weitermachen und weiterkämpfen.
Bis ich nicht mehr kann. Weil ich nicht will das „V wie Vendetta“ noch realistischer wird als es ohnehin schon der Fall ist.

Entschuldigt bitte den Pathos, aus Vorzimmerdamen bricht ab und an mal eine Dramaqueen durch.

Wir sehen uns Montag

Glück Auf

schreibrephorm