Lasst Menschen doch einfach das tun was sie wollen

Gastbeitrag von Balorda (@shuteyed)

Seit 2 Tagen ist nun wieder eine Quotendiskussion entbrannt, da am Freitag die Antragsfrist für den BPT in Bremen endet. Es sind glaub ich mittlerweile fünf oder mehr Anträge eingereicht. Zu Beginn habe ich noch kritische Fragen gestellt. Daraufhin wurde ich als Masku betitelt. Dies ist aber eigentlich nur die Spitze auf dem Eisberg, warum ich mich als Mensch/Frau (ihr dürft euch das aussuchen, wobei ich mich selber als Mensch sehe) in dieser Partei nicht mehr wohlfühle.


Angefangen hat es mit der Aufschrei Diskussion und der daraus resultierenden Veranstaltung Piratinnenkon. Ich war dagegen aus dem ganz einfachen Grund, dass ich die Veranstaltung als diskriminierend, sexistisch und übereilt empfunden habe, wie so viele Veranstaltungen, die in dieser Partei ohne wirkliches Konzept einfach mal gemacht werden. Im Vorfeld der Veranstaltung habe ich auch offen darüber gesprochen, das ich diese Veranstaltung ablehne und „Menschen werden Menscheln“ an die Organisatoren der Piratinnenkon mitgezeichnet
( http://wiki.piratenpartei.de/Menschenwerdenmenscheln ).


Das Ergebnis war, das gegen Menschen, die Postgender leben und leben wollen, gewettert wurde. Ich wurde im speziellen als naives Opfer des Patriarchats bezeichnet und mir wurden männliche Ellenbogen, was auch immer das sind, unterstellt. Wenn ich auf die Veranstaltung zurück blicke, sehe ich es immer noch so, dass dort Geld verschwendet wurde. Oder kann mich irgendwer eines besseren Belehren, denn ehrlich gesagt, sehe ich keine Ergebnisse. Es wurde sich getroffen, es wurde geredet – Ergebnisse nicht sichtbar.


Danach kam ein wenig Ruhe rein, bis zur OM13. Dort hielt Faserpiratin, wie wahrscheinlich die meisten wissen, ihren Vortrag über Hatespeech. Eigentlich war es nur eine Aufzählung und ein Fingerzeigen auf Menschen, die zum Teil wirklich Dinge geschrieben haben, die ich auch nicht in Ordnung finde. Seit diesem Vortrag habe ich das Gefühl, dass nur noch in Feminist und Masku unterteilt wird. Wer Kritik an einer Feministin oder Frau äußert, wird umgehend als sexistisches Arschloch oder Masku abgestempelt. Auf das was nach der Veröffentlichung des Vortrags passiert ist, möchte ich nicht mehr eingehen, sondern nur noch meine Meinung dazu kundtun und Fragen dazu stellen.


Stellt euch doch alle mal die Frage, was passiert wäre, wenn Ochdomino „real“ gewesen wäre? Ist es weniger schlimm, wenn jemand, der als Masku bezeichnet wird einen Shitstorm abbekommt? Ist dieser Mensch weniger wert? Muss dieser Mensch in Angst um sein Leben leben? – Aber ist ja alles gut gegangen, weil es ja „nur“ ein Fake war….. Auch „Täter“ können zu „Opfern“ werden. Macht euch das bitte mal klar. Niemand hat das Recht, das Leben eines anderen Menschen mit Absicht zu zerstören. Für mich war dieser Vortrag eindeutig ein Pranger-Vortrag und ja, ich fand die Depublikation richtig. Steinigt mich! Bin ja eh nur ein Masku, weil ich gegen die Quote bin.


Dann komm ich jetzt mal zurück zur Quote – warum ich sie ablehne, warum mir bei so einigen Aussagen nur noch schlecht wird und ich deswegen keine Lust mehr habe irgendwas für Piraten zu machen.


Ja, ich bin weiblich. Ja, eine Quote würde mir einen Vorteil verschaffen. Ich werde aber auch, wenn es eine Quote gäbe, nicht für irgendwas kandidieren. Ich will es einfach nicht. Ihr braucht auch nicht auf mich zukommen um mich zu fördern, weil ich ja eine Frau bin, die Förderung braucht, weil sie ja anders sozialisiert wurde als ein Mann und sich nicht so recht traut auf die Bühne zu gehen, da sie damit ja keine Erfahrung hat. Allein schon, dass Frauen besonders gefördert werden müssen ist totaler Unfug. Ich bin 13 Jahre zur Schule gegangen, während dieser Zeit musste ich mindestens 20 Präsentationen vorbereiten und halten. Eine Quote ist in meinen Augen sogar diskriminierend, denn es wird erst mal nur aufs Geschlecht geachtet. Mir ist es egal, welchem Geschlecht der Mensch angehört, der da vorne steht. Kompetenzen, fachlich wie auch sozial, sind allein für mein Wahlverhalten ausschlaggebend. Diese werden aber bei den geforderten Quoten und den daraus resultierenden Problemen hinten angestellt.


Es gibt wirklich Kreise in denen es wenige Frauen gibt und ja auch unter diesen Frauen, gibt es welche die egal ob Quote/Förderung, was auch immer, nicht kandidieren wollen, weil sie es nun mal einfach nicht wollen. Akzeptiert das doch bitte. Hört auf Menschen dazu zu bringen, andere zu Sachen zu zwingen, die sie vielleicht einfach nicht tun wollen. Jeder hat einen eigenen Willen und ich unterstelle jetzt einfach mal jedem die Kompetenz, die Entscheidungen zu treffen, die für ihn richtig sind. Hört auf einen Kampf zwischen Mann und Frau zu schüren. Hört auf Menschen auf das Geschlecht zu reduzieren. Hört auf Menschen auf ihr Geschlecht, Alter, Hautfarbe und sexuelle Orientierung zu reduzieren. Hört auf immer wieder zu diskriminieren. Ihr macht mich wütend mit eurem Schubladendenken. Die Welt ist nun mal nicht schwarz weiß, man kann nicht nur in gut und böse unterteilen. Es gibt nicht nur Mann oder Frau. Seht den Menschen hinter dem Geschlecht. Fangt nicht an zu Bevormunden. Wenn ihr fördern wollt, dann fördert doch bitte jeden, egal welchen Geschlechts. Schafft Chancengleichheit für alle.


Quote ist kein Allheilmittel. Es ist eher ein Pflaster auf einer klaffenden Platzwunde. Ich denke nicht, dass sie dafür sorgt, das sich nachhaltig etwas verändert. Außerdem wurde auch gar nicht geschaut, woran es wirklich liegt, dass es so „wenige“ Frauen in Amt oder Mandat gibt, in dieser Partei. Wieder einmal losrennen, die Welt retten wollen und das ohne Hintergrundwissen und Konzept.


Ich habe auf das Ganze keine Lust mehr. Ich fühle mich diskriminiert als Frau, besonders von den Feministen, die glauben die Wahrheit gepachtet zu haben. Diese versuchen mir zu sagen, was ich zu tun und zu lassen habe, dabei versuchen sie, mich zu bevormunden. Ich mache nun Twitter aus, da ich mir nicht mehr sagen lassen möchte, dass ich doch nur ein naives Opfer des Patriarchats, mit männlichen Ellenbogen und gleichzeitig ein Masku bin. Ihr könnt mich alle mal.


Bis dann
Balorda