Kauft nicht bei Lidl! Oder so.

Nach längerer Pause sperre ich hier mal wieder auf.

Da schreibt eine Rassistin (aus irgendwo) rassistischen Mist auf Facebook und Twitter. Große Empörung. Kann man verstehen. Im Moment sind alle etwas empfindlicher als sie es seit Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und Solingen ohnehin sein sollten. In ihrem Facebook-Profil steht wo sie arbeitet. Kündigungsforderung. Kann ich auch noch unter Empörung abhaken. Lidl distanziert sich und sagt sie kontrollieren nicht was ihre Mitarbeiter in ihrer Freizeit tun. Mehr Empörung. Boykottaufruf für Lidl.

Da komm ich ans Überlegen. Will ich, dass Leute sowas sagen? Nein. Will ich, dass sowas Konsequenzen hat? Ja. Ist ein Boykott der richtige Weg? Ja, aber wenn dann richtig:

Lidl hat in 26 Ländern knapp 9.900 Filialen . Eine Liste welche Länder betroffen sind sieht man in diesem wundervollen Online-Lexikon

Das sind 170.000 Mitarbeiter, 70.000 in Deutschland. Und weil wir eben europäisch und nicht nur deutsch denken wollen, kontrollieren wir die bitte alle. Nach Wahlergebnis zu urteilen vermute ich 7-8% Rechte in Deutschland, ca. 27,1% in UK und ungefähr 25% in Frankreich. Zuzüglich etwaiger echter Flamen und dänischer Dänen. Die Schweden sollten gut weg kommen, aber ist auch besser, wo holen wir sonst unsere Bücherregale und Hot Dogs, wenn wir uns es mit denen auch noch verscherzen?

Lidl gehört allerdings zur Schwarz-Gruppe. Denen gehört auch noch Kaufland. Kaufland hat (Stand 2009) ca 73.000 Mitarbeiter. Des weiteren gibt es noch den TIP-Werbeverlag, aber da haben ja 55.000 Leute ihre Anstellung verloren.

Außerdem gibt es da noch 7 Logistikzentren mit 2700 Mitarbeitern. Wenn wir fertig damit sind, die alle zu überprüfen um zu sehen ob wir Kaufland, Ex-Schlecker und Lidl boykottieren, wenden wir uns weiter der Schwarz-Gruppe zu. Zu denen gehört laut Homepage noch Wackler, Garant, Hänsel, Elektro-Plus, ETG, Fetzer, MRG, R&S Vertriebs-Kontor und PET Recycling. Wackler hat übrigens seinen Sitz in Dresden (Ahaaaa!).

So, und während ihr nun die Mitarbeiter der einzelnen Firmen und bitte auch deren Zulieferer und Zeitarbeitsfirmen kontrolliert und bis spätestens Montag eine Liste erstellt was ich alles boykottieren muss, weil ich Nazis eben auch Scheiße finde, gehe ich mir bei Starbucks einen Kaffee kaufen und sende vielleicht vom meinem 400-Euro-Tablet einen „Kapitalismus ist Scheiße“-Tweet ab.

Um mich dann darüber zu beschweren, dass ich in der Innenstadt immer noch kein freies W-LAN habe. Und T-Shirts kauf ich bei Kaufland nie wieder. Da gehe ich lieber zu Primark, da werden hoffentlich nur Demokraten ausgebeutet und keine Nazis. Oder ich bestell direkt bei Amazon. Dann muss ich das Elend da draußen nicht mehr sehen.