Israelische Juden aus der Pfalz

Jippie! Ich kann wieder über Fußball schreiben. Und warum? Weil ein Haufen minderbemittelter Kuhschubser aus der Pfalz meint Unfug veranstalten zu müssen. Und nun in chronologicher Reihenfolge.

Am Sonntag ordnete Trainer Marco Kurz kurzerhand ein «Straftraining» im Fritz-Walter-Stadion an. Noch während des Trainings der Tiefpunkt der FCK-Krise: Sogenannte «Fans» aus der rechtsradikalen Szene attackieren den israelischen Stürmer Itay Schechter (25) verbal!

Rund zehn Personen, in Tarnjacken und kahlrasiert, zeigen den Hitlergruss und beschimpfen Schechter als «Drecksjude».

Ohne das Wort „sogenannt“ kommt man ja heutzutage nicht mehr aus. Sogenannte „Fans“ sagen sogenannten „Reportern“ sogenannte „Meinungen“. Vielleicht könnten die Blitzmerker der Presse mal ein bisschen weiter denken. Also nicht nur von Frontallappen bis Stirn. Das sind Fans. Das kommt von „Fanatic“, nicht von fantastisch Intelligent. Schlachtrufe wie „Juden Berlin“ und ähnliches sind nicht so ungewöhnlich wie man das gerne hätte. Ein „Lila-Weiß ist schwul“ ist genauso dumm und bescheuert. Aber es ist da. Das sind keine Minderheiten. 10.000 Leute auf einer Stehplatztribüne sind nicht sogenannte „Fans“. Sie spiegeln die Gesellschaft wieder. Man gehe bitte in eine durchschnittliche Gaststätte, gefüllt von durchschnittlichen Gästen mit durchschnittlichem IQ. Das geht überall. Was man da an Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz um die Ohren gepfeffert bekommt stimmt einen traurig.

Und dann? Liest man immer noch in Foren so einen Unfug wie „Politik hat mit Fußball nichts zu tun“. Jedem der das sagt, dem empfehle ich mal ein Spiel St.Pauli-Rostock oder Babelsberg-BFC Dynamo. Dann schaut man bitte mal die 80er Jahre an, da war ein Teil der Hooliganszene mit Nazis durchsetzt. Es war damals nur einfach nicht so präsent wie heute. Könnte daran liegen, dass der Angstgegner von Regierung und Wirtschaft auf der linken Seite stand und nicht jedes Spiel von 17 Kameras und 35 Wirtschaftsbossen besucht wurde.

„Drecksjude“ sagten sie. Wir wissen ja alle: Darf man nicht. Was kommt? Das:

Hamburg – Die Spitze des Zentralrats der Juden hat mit großer Empörung und Strafforderungen auf die antisemitischen Beleidigungen gegen den Israeli Itay Shechter vom 1. FC Kaiserslautern reagiert. Zentralrat-Präsident Dieter Graumann sieht den FCK und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in der Pflicht: „Beim 1.FC Kaiserslautern muss jetzt sofort viel klarer und energischer gehandelt werden. Wer solche Fans hat, ist gestraft. Wer solche Fans duldet, gehört bestraft. Das sollte viel entschlossener und offensiver vertreten werden.“

Der Zentralrat der Juden. Bitte? Ich lach mich kaputt. Ich schlage folgendes vor. Nächsten Samstag gehen wir alle mal zum Fußball. Und jedesmal wenn ein Christ an den Ball kommt schreien wir alle „Dreckschrist, Dreckschrist“. Und dann warten wir einfach bis Ratzinger interveniert und klares und energisches Handeln fordert. Und beizeiten sollte wirklich mal jemand deutlich erklären wer die Semiten waren, oder auch sind.

„Wer solche Fans duldet gehört bestraft.“ Wie wär’s? Klagemauer umsetzen nach Ramstein? Macht mal locker. Da können die ’ne Lichterkette und Gedenktag einführen. Dann sind die Faschos aber immer noch Faschos. Da helfen keine Strafen für den Verein. Weil dann sagen die nämlich „die Scheiss Juden haben uns das eingebrockt“.

Kurz rüber zu den Nachbarn. Da singen die Fans von Ajax rum. Und bezeichnen sich selbst als „Die Juden“. Tja, und was machen die anderen? Die singen:

Heb je ook zo’n hekel aan die club uit amsterdam, schop ze op hun neuze ja zo hard als je maar kan want het leven, duurt maar even
Alle joden aan het gas!

Da sind wir erst mal alle empört. In Eindhoven und in Rotterdam wird leise gezischt wenn die Mannschaft von Ajax ins Stadion läuft. Aber irgendwie scheint das in Holland niemanden zu stören. Mich hat es ja irgendwie schon gewundert, dass niemand Protest eingelegt hat als die Ückendorfer in den Gazprom-Trikots gegen Tel Aviv gespielt haben. Man stelle sich folgendes Drama vor: Ein unachtsamer Reporter kommentiert einen Platzverweis mit den Worten „Und dann schickte der Schiedsrichter den Israeli zum duschen“. Wuuuuuuu. Das wäre ein Aufschrei gewesen.

Was macht man? Man schreit nach Strafen. Die helfen aber nicht. Umdenken wäre schön. Und bis dahin nutzt es weder wenn die Empörung auf Knopfdruck raussprudelt, noch dusselige und falsch verstandene Ignoranz im Sinne von „Das ist Sport und nicht Politik“. Fällt es auf? Hat gar keiner was gegen Israel gesagt. Da wird dann Politik und Religion direkt gemischt. Säkularisiert? Pustekuchen. Solange die Presse nicht zwischen Moslems, Islamisten und Terroristen unterscheidet, solange in den Köpfen vieler Jude=Israeli ist und solange die Christen meinen sie haben das Anrecht auf Ausschmücken von Klassenräumen gepachtet, solange kommen wir keinen Meter voran.

Wie sagte mein Opa bei der Gerichtssendung? „Ein guter deutscher Richter hätte den mit den Tattowierungen schon aus dem Gericht geworfen“. Klar, den Angeklagten. An Blödheit kaum zu überbieten. Kind seiner Zeit, mag man sagen. Dann jetzt bitte darüber nachdenken wie schnell Sätze wie „So ein Spast“ oder „Das is ja voll schwul“ die Runde machen.

Genau diese Mauer im Kopf muss weg. Bei allen. Religionsfreiheit und Leitkultur passen eben nicht zusammen. Auf der einen Seite die Wahl von Islamisten kritisieren, aber gleichzeitig die CDU wählen ist nicht glaubwürdig. Und wer ein christlich-abendländisches Werteverständnis fordert, darf sich nicht wundern wenn irgendwelche Idioten diese Werte auf Schwarz-Weiß-Rote Fahnen schreiben.