Ihr wollt mich als LaVo…

…ich mich aber nicht.  (das war schon das tl;dr. Die Faulen können Alt+F4 drücken)

Zu Beginn die chronologische Entstehungsgeschichte des Vorschlages, die nicht ganz unwichtig ist, auch für die weiteren Erklärungen. An einem Abend in diesem Internet bin ich auf die Idee gekommen einen Antrag an den Vorstand des KV Bochum zu stellen. Dieser Antrag besagte nichts weiter als bitte die Mailingliste vom Sync-Forum zu entkoppeln.

Die Reaktion eines Schreibers war wundervoll.

„Eines ist sicher: Dein hier für immer und ewig dokumentierter Versuch der Zensur und der Beschneidung der Meinungsfreiheit, wird nie mehr vergessen werden. Du bist damit politisch für alle Zeiten „verbrannt“, was auch nur das geringste Parteiamt betrifft, das höherwertiger ist als der Parkplatzwächter auf einer KMV.;)“

Und zack, lande ich auf der Kandidatenliste. Mitsamt Unterstützungsunterschriften. Soviel zur Geschichte wie ich denn auf diese Liste komme.

Unbedingt möchte ich mal allen potentiellen Unterstützern danken. Einfach danke. Und nun die Erklärung warum ich nicht will. Ich habe viel und ausgiebig am derzeitigen Vorstand kritisiert und werde, keine Sorge, das bei Bedarf auch weiterhin tun wenn ich die Notwendigkeit sehe oder mir Dinge nicht passen. Ich hätte in der Position, auch als Beisitzer, Ansprüche an mich die ich im Moment nicht erfüllen könnte.

 

Erstens: Ich habe einen 40-Stunden+x pro Woche Piratenjob. Ich habe eine Beauftragung meines KV für den Netzauftritt und ich bin Koordinator im AK Gesundheit. Und ich bin an der Fern-Uni eingeschrieben. Wie soll ich da bitte noch ordentlich im Landesvorstand Arbeit erledigen?

Zweitens: Ein Landesvorstand trägt eine Verantwortung für alle Piraten in diesem Bundesland und sollte in der Lage sein wertfrei allen zuzuhören. Zumindest sehe ich das so. Wenn das mal nicht klappt, okay passiert. Ich würde das niemandem vorhalten der das anders sieht. Aber ich sehe es so. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn es gibt definitiv Leute denen will ich nicht zuhören. Mit denen will ich noch nicht mal reden.

Drittens: Aus der Kategorie ‚Weisheiten aus dem Leben einer Vorzimmerdame‘: „Wenn du dich mit der Politik einlässt, dann verändert sich nicht die Politik, die Politik verändert dich“. Alleine die Tatsache, dass meine erste Überlegung wirklich war wie lange man mit einem „Ich mach’s nicht“ warten könnte, nur um maximale Aufmerksamkeit zu generieren um Themen anzusprechen die einem wichtig sind, zeigt das. Beschissener Gedankengang für einen Piraten, ist mir auch klar. Aber jeder Mensch der sich für Amt oder Mandat bewirbt, sollte sich klar sein, dass es Veränderungen mit sich bringt. Man kann zum Beispiel einfach mal nicht auf irgendeinen Tweet antworten: „Sag mal, hast du noch alle Nadeln an der Tanne?“. Man kann schon, aber klug ist das nicht. Und taktisch gelegentlich auch voll für die Füße. Streisand lässt grüßen wenn man mehr als 100 Follower auf Twitter hat. Kennt ihr. (Die FDP nicht , har har)

Eben dieser Spagat zwischen Pirat in der Freizeit und beruflicher Verpflichtung ist mir Abstand das Schwerste am Job im Landtag. Und bevor wieder irgendwer spekuliert: Moni hat alle Nadeln an der Tanne. Und sollte ich das jemals anders sehen, kann ich einen Raum weitergehen und ihr das ganz persönlich mitteilen. Ja, hinter verschlossenen Türen. Sowas nennt man Vertrauensverhältnis. Bilateral.

Ein weiterer Punkt ist, ich finde es derzeit schon kompliziert richtig einzusortieren aus welcher Quelle ich welche Information habe und welche davon offen sind. Ja, ich bin gut vernetzt. Aber ich sitze eben auch im Mighty-PGF-Vorzimmer. Da darf ich dann bei einem großen Teil der Informationen, gerade wenn mich jemand was fragt, überlegen wo die Info grad her ist in meinem Kopf. Ehrlicherweise bin ich erstaunt, dass ich noch kein Gate produziert habe.

Und dazu noch LaVo? Bitte. Ich kann Multitasking, aber ich habe auch nur ein Gehirn und schlimmstenfalls gebe ich Informationen, die man mir vertraulich übermittelt hat, an einer Stelle weiter wo ich hätte den Mund halten sollen. Und ich bin im Mund halten ohnehin schon nicht der Beste.

Viertens: Eine der wichtigsten Fragen die ich beim Grillen jemals gehört habe, war: „Musst du LaVo sein um die Arbeit zu machen?“. Das ist einfach: Nein. Ich bin sowohl gebeten worden als Beisitzer, als auch als PolGF zu kandidieren. Ich kann innerparteiliche Vernetzung auch genauso gut als Basisgurke weitermachen und da Unterstützen, zumal ich mit großen Teilen der aktuellen Kandidaten wie Britta und Jens prima klar komme. Und kein LaVo der Piraten beschwert sich wenn man einfach so hilft. Ich brauch auch die Credits nicht. Ich brauche diese erste Reihe nicht. Ich mach einfach das was zu tun ist.

Fünftens: Ich bin im Moment auch damit beschäftigt zuzuhören und zu beobachten. An vielen Stellen ist die Ausrichtung der Partei diffus, oder es gipfelt in Lagerdiskussionen. Sei es Feminismus/Post-Gender, die unterschiedlichen Ansätze zwischen systemischer und programmatischer Ausrichtung, oder auch Debatten über Umgangston, Höflichkeit und Regeln. Es ist bei keiner dieser Debatten eine klare Ausrichtung der Partei zu erkennen. Wie soll ich dann sagen, dass ich ein Jahr für diesen Job qualifiziert bin? Oder glaubt irgendjemand am Ende dass ich behaupte das ich höflich bin, Texte gendere und das ‚Klarmachen zum Ändern‘ für mich nur noch Anträge im Landtag sind?

Also mach ich das was ich kann, LaVo gehört derzeit nicht dazu. Ich hab andere Dinge zu tun.
Bis dann in diesem Internet, ihr wisst ja, ich wohne hier und bewache meinen Parkplatz.

lg

schreibrephorm

PS: Ich weiß, ich soll das nicht. Aber trotzdem, wir brauchen Input:
http://gesundheitspiraten-nrw.de/?p=263