Friede sei mit euch….

….und mit eurem Geiste.

Willkommen zum kleinen Exkurs. „Christus online und was die Kirche sonst noch hervorbringt“. Anfang diesen Monats gab es beim MDR eine Reihe über Depressionen. MDR, das ist der mitteldeutsche Runkfunk. Mitteldeutschland ist das was zwischen hier und Ostpreußen liegt. Und genau auf diesem Wissensstand scheinen auch einige Leute stehen geblieben zu sein, die dort ihre Meinung hinterlassen. Ein Artikel über das Burnoutsyndrom, gar nicht schlecht geschrieben. (http://www.mdr.de/mdr-info/hoereraktion/burnout104.html).

Unten drunter finde ich einen Kommentar:

1. Claus F. Dieterle:
Zur Behandlung von Depressionen möchte ich auch auf die Biblische Krankenheilung (Aufklärung und Beratung) hinweisen. Grundlage sind Aussagen der Bibel. Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken. Psalm 146,8: Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.

Ja, das ist ja nett Herr Dieterle. Halte ich das zunächst für einen depperten Eintrag in Sachen dogmatisierter Verblendung und mangelndem Interese an Datenschutz, entpuppt sich das ganze als Werbung in eigener Sache. Einmal kurz Google angeworfen finde ich des weiteren:

Heilpraktiker für Psychotherapie
Claus F. Dieterle

Angebot: Ich erteile Aufklärung und Beratung über Biblische Krankenheilung. Auch Hilfe bei Einsamkeit, Niedergeschlagenheit und Depression gehört zu meinen Behandlungsschwerpunkten. Ich bin persönliches Mitglied der Ev. Landeskirche. Autor „Die Verbreitung von Traktaten – praktische und biblische Hinweise“. Dazu Prof.Dr. Peter Beyerhaus: „Ich stimme dem Inhalt ganz zu – praktisch und gehaltvoll!“. ISBN 978-3-9804618-0-1. Claus F. Dieterle Christliche Schriftenmission: christliche Traktate kostenlos bestellen und christliche Traktate verteilen.

Autor: „Die Verbreitung von Traktaten- praktische und biblische Hinweise“, außerdem Heilpraktiker / Psychotherapie mit Schwerpunkten Biblische Krankenheilung (Aufklärung und Beratung), Niedergeschlagenheit, Depression, Einsamtkeit und der „Christus Erbauungs-Hypnose“, Dtsch. Patent- u. Markenamt.

Ich möchte mich hiermit direkt von diesen Inhalten distanzieren. „Heilpraktiker für Psychotherapie“. Da dreht sich doch mein Magen und der Inhalt kriegt Klaustrophobie und will raus. Um dem ganzen entgegenzuwirken nun meine Therapievorschläge mit Bibelverweisen für gängige Krankheitsbilder des psychiatrischen Spektrums.

Depressionen

Der HERR erhält alle, die da fallen, und richtet auf alle, die niedergeschlagen sind. (Psalm 146.8) (Lukas 1.52)
Okay. Das ist ja einfach. Therapie bei Depressionen: Auf den Herrn warten. Klingt jetzt wie eine Therapie für devote Hausfrauen, die warten ja auch auf ihren Herren, gewissermaßen. Wenn der Herr nun gnädig ist, also der christliche, dann geht die Depression weg. Was die Mindestanzahl der Nicht-Christen in Deutschland zum Beispiel berechenbar macht nach folgender Formel:
Anzahl Depressionserkranker – Anzahl derjenier die durch akute Gottbelustigung geheilt wurden + Anzahl der Depressionerkrankten die unchristlich therapiert wurden. Kann ja jeder mal mit dem Taschrenrechner kurz zu Hause überprüfen.

Manie

1. Versuch – Linguistik biblisch
Wenn man in der Bibel nach Manie sucht, wird man nicht direkt fündig. Man könnte jetzt sagen, dass die Bibel nicht mehr so ganz aktuell ist, was nach 1700+X Jahren nicht so ganz überraschend wäre, aber die Frommmen unter uns wissen: Gottes Wort ist unvergänglich und wie beim ‚Wort um Sonntag‘ wissen wir: Christen schaffen es grundsätzlich jeden Scheiss in der Bibel wiederzufinden, auch wenn Jesus noch nicht mal ein Handy hatte. An dieser Stelle bedarf es einiger linguistischer und fachlich nicht ganz korrekter Drehungen. In einer Manie ist man aktiv, hyperaktiv. Also zu eifrig. Es geht also um Eifer. Das Wort findet man in der Bibel. Komisch, es ist in der Enstehung erst gut 1000 Jahre alt. Wie kommt das in die Bibel? So langsam verstehe ich warum die Moslems den Koran im Original lesen. Aber sehr zu meinem Verdruß nutzen die Bibelstellen alle nichts. Ich bemühe Synonyme.
[1] Arbeitslust, Beflissenheit, Dynamik, Eifrigkeit, Emsigkeit, Intensität, Tatendrang
[2] Begeisterung, Enthusiasmus, Inbrunst, Verve
[3] Aufregung, Eile, Hast, Überstürzung

Sagt Wiktionary. Hilft aber auch nicht.

2. Versuch – Linguistik historisch
Mania kommt aus dem griechischen und bedeutet Raserei. Wie auch in Germania, das ist die Raserei der deutschen, nicht nur, aber auch bei Fußballspielen zum Beispiel. Im englischen bedeutet manic nun auch manisch, aber auch verrückt. Wir kommen der Sache näher. Verrückte muss man in der Bibel finden.

Und er verstellte sich vor ihnen und raste unter ihren Händen und kratzte an den Türflügeln, und ließ den Speichel in seinen Bart fließen. Da sprach Achis zu seinen Knechten: Ihr seht doch, daß der Mann verrückt ist! Was bringt ihr ihn denn zu mir? Fehlt es mir etwa an Verrückten, daß ihr diesen Mann hergebracht habt, damit er gegen mich tobe? Sollte der in mein Haus kommen?

Da ist es, sabbernd, an die Tür scharrend. Und der Verrückte wird nicht eingelassen. Der einzig nachweislich Verrückte in der ganzen Bibel ist ein Jude, denn es geht hier um David, und der wird nicht reingelassen.

Man muss sich das heutzutage also so vorstellen. Eine Klinik, mit Wächter an der Tür. Es klopft.
Torwächter: „Wer da?“
David: „Hier ist David, “ *thetralisches sabbern* „und ich glaub ich bin manisch“.
Torwächter: „Du kommst hier net rein.“

Wir stellen also fest. Manie ist eine Judenkrankheit. Christen können das nicht kriegen. Somit bin ich hier auch nicht mehr zuständig.
Vielleicht könnte man die Maniker irgendwie kennzeichnen, mit einem Stern oder so….

Psychose

Ich zitiere aus der Wiki.

Als Psychose bezeichnet man eine schwere psychische Störung, die mit einem zeitweiligen weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einhergeht.

Ich brauche an dieser Stelle keine Bibel. Selbstgespräche, der unbeirrte Glaube daran jeden Sonntag ein Stück Mensch und ein bisschen Blut machen unsterblich, vor Männern an Holzkreuzen knien und in der Zwischenzeit Kreuzzüge, Teufelsaustreibungen und predigen gegen Kondome und Schwule sind alles klare Zeichen für einen schweren Verlust des Realitätsbezugs. Somit ist eine Psychose im Christentum keine Krankheit, sondern Grundvoraussetzung.

Phobie
Es gibt nun mehrere Arten von Phobien, aber das soll uns hier nicht weiter stören, denn mit Angst kennt sich ja grad die katholische Kirche wunderbar aus. Also finden wir auch etwas über Furcht in der Bibel. Matthäus 10,28. Der Junior-Chef spricht.

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

Das war ja einfach. Keine Angst, niemand tötet eure Seele, das kann nur Gott. Na dann. Ist ja alles im grünen Bereich. Wir machen einfach aus jeder Phobie eine Gottphobie und schon sind wir im Plansoll.

Offensichtlich hab ich dem guten Mann oben unrecht getan, man findet in der Bibel jede Menge praktische Anwendungstips für psychische Krankheiten, wir müssen also nur noch irgendwie das Manna in die Globuli quetschen und dann ist uns der Weg in den Himmel sicher.

So und jetzt mal Spaß beiseite:

Wie bitte schön kann es sein, dass Menschen mit einem dermaßen eingeschränkten Weltbild Bücher herausgeben dürfen, in denen sie ihre gequirlte Scheisse auch noch publizieren? Gut, Meinungsfreiheit. Aber wir reden hier von kranken Menschen, auf der Couch und daneben. Und das letzte was ich wollen würde, wäre ein fundamentalistischer Vollidiot der mich hypnotisiert und mir einen von Jesus erzählt. Da kommste raus und gehst direkt im nächsten Baumarkt Nägel kaufen oder was? Und sowas darf sich auch noch Therapeut nennen? Irgendwas läuft in diesem Land verdammt falsch.

Habt ihr schon Weihnachtsgeschenke gekauft?
Ich hab da einen Buchtip……

Pax vobiscum