Ein Lied anstelle eines Nachrufs

Ab und an ist sogar mir nach ernsten Dingen. Und wenn Menschen gehen deren Lieder man als Kind gesungen hat, berührt es doch. Deswegen und aus aktuellem Anlass, ein Lied anstelle eine Nachrufes für
Franz Josef Degenhardt

3.12.1931 – 14.11.2011

 

 

 

Ob ich es liebe, weiß ich nicht. Ich lebe hier und lebe gern,
schon weil die anderen Vaterländer auch bloß Vaterländer sind.
Die sind trotz allem ziemlich fremd und sind trotz allem ziemlich fern,
und weil geschrien hab ich hier in diesem Land nicht nur als Kind;
hineingeschrien in dieses Land wo alles lautlos funktioniert,
die Überwachung und Verwaltung, Todesschuß und Zugverkehr
und wo das Schreien aus Beton und aus Baracken nicht mehr stört,
und wo auch alles seinen Preis hat und der Preis steigt immer mehr.
Und wo die alten Herren neu in alter Phalanx aufgestellt,
mit neuen alten Herren laut nach alten neuen Märkten schrein,
von ihrem Großkotz Deutschland zwischen Maas und Memel, Etsch und Belt,
ist ihnen bloß der Rest geblieben, zwischen Elbe, Alpen, Rhein.
– „Unser Land“, Degenhardt