Ein Bericht über Kürbisköpfe

Aus erster Hand habe ich erfahren, dass in der Pfalzmetropole Kaiserslautern an diesem Wochenende ein Halloween-Umzug stattfindet. Zu genau diesem Thema informiert nun die Polizei RLP. Das ist kein Fake. Es ist echt. Ich hab das PDF auf dem Rechner.

„Süßes oder Saures“ – aber bitte ohne Nachgeschmack!

Tipps von Ihrer Polizei, damit ein Volksbrauch nicht zum Desaster wird. Halloween-Feiern sind  zwar kein typisch deutscher Brauch –  seinen Ursprung hat er in Irland – aber er hat sich in den vergangenen Jahren auch bei uns mehr und mehr durchgesetzt, dabei inzwischen so etwas wie Kult-Status erreicht und ist fast genau so beliebt wie die „Hexen-Nacht“ Ende April.  Nur leider wird, ähnlich wie in der Walpurgisnacht, der Brauch oft „missbraucht“ und entgleist zu unangenehmen Aktionen mit möglicherweise noch unangenehmeren Folgen. Deshalb aus polizeilicher Sicht ein paar Anregungen, über die es sich lohnt nachzudenken:

Wenn Sie selbst oder Ihre Kinder in Kostümen durch die Straßen ziehen, achten Sie bitte darauf, dass durch die Verkleidung keine „dunkle Gestalten“ entstehen, die von anderen Verkehrsteilnehmern nicht wahrgenommen werden. Durch reflektierende Accessoires können Sie das verhindern, ohne dass das Besondere der Kostüme leidet.

Es gibt doch nichts gruseliges als Zombies mit Lichterketten, was?
Die Staatsmacht hat Angst vor Schwarz.
„Ohne dass das besondere der Kostüme darunter leidet.“ Klar.
Ich kleb Katzenaugen aufs Kostüm.

Im vergangen Jahr wurde beispielsweise in der Halloween-Nacht ein Auto-Unfall aufgenommen, der – nach Angaben des Unfallfahrers – dadurch entstanden war, dass er einer Fußgängergruppe ausweichen musste, die im Dunkeln auf der Fahrbahn herum lief. Dass der junge Fahrer selbst alkoholisiert war und keine Fahrerlaubnis besaß, hat zwar sicherlich ebenfalls zum Unfall beigetragen, zeigt aber gleichzeitig, welche Folgen die „Kombination“ solcher Verhaltensweisen haben kann.  –  Nicht auszudenken, wenn der Fahrer aufgrund seiner Alkoholisierung und der mangelnden Fahrpraxis die „dunklen“ Fußgänger auf der Straße übersehen und überfahren hätte…

Weil also irgendwelche Autofahrer zu doof sind auf die Straße zu gucken beim Autofahren und weil Leute zu doof sind den Bürgersteig zu nutzen ist hier eine Warnung angebracht. Ich übersetze mal auf deutsch: Da der Deutsche an sich bei karnevalsähnlichen Veranstaltungen sein Gehirn grundsätzlich zu Hause lässt, rechnen sie grad heute mit der Blödheit ihrer Mitmenschen. Sehen sie also zu, dass sie dermassen mit Glitzerkacke behängt sind, dass sie alleine mit einer Taschenlampe bewaffnet die A40 ausstrahlen können.

Bitte beachten Sie auch, dass es gesetzlich verboten ist (§ 32 StVO) Gegenstände auf der Straße zu platzieren, wenn dadurch der Verkehr gefährdet oder erschwert werden kann. Dazu zählen auch gefährliche Unsitten, wie zum Beispiel Kanaldeckel auszuheben. Dies stellt den Straftatbestand des „Gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ dar (§ 315b StGB). Genauso gefährlich sind jede Manipulationen an Fahrzeugen, weil sie sehr schnell zu Unfällen mit erheblichen Folgen führen können.

Wie? Keine Kanaldeckelschlacht vor’m Hardrock-Cafe Kaiserslautern Süd? Frechheit.

Beim Sammeln von „Geschenken“ ist auch  immer wieder zu beobachten, dass Fahrzeuge angehalten werden und sich Halloween-Freaks sogar mitten auf die Fahrbahn stellen, um Fahrzeuge  zu stoppen.  – Bitte bedenken Sie, dass dies rechtlich nicht zulässig und auch äußerst gefährlich für die Fußgänger selbst ist! Für die Halloween-Streifzüge sollten Eltern ihren Kindern verkehrsarme Seitenstraßen empfehlen  –  und  ihnen  vor allem auch  den Unterschied zwischen  Spaß und Ernst klarmachen, das heißt, ihnen erklären, wo ein  harmloser  Streich  aufhört  und rechtswidriges Verhalten anfängt.

ANFÄNGT? Das ist Betteln und Hausieren. Ich mach doch auch den Zeugenden Jehovas die Tür vor der Nase zu. Süßigkeiten sind wenig nahrhaft, machen dick und die Zähne kaputt. Alleine schon aus pädagogischen Gründen und weil die Blagen ins Bett gehören mach ich den Mist nicht mit. Und nur so am Rande, wir reden hier von Rheinland-Pfalz, da gibt es nur verkehrsarme Seitenstraßen. Und Traktoren sind so langsam, da kann man ausweichen.

So gehören beispielsweise „Aktionen“ wie  Feuerwerkskörper in Briefkästen, beschmierte Hauswände,  das Werfen von  Eiern  auf Häuser  oder Autos, kaputte Vorgärten  und Blumenrabatten oder gar Bedrohungen, wenn keine Süßigkeiten herausgegeben werden,eindeutig nicht mehr in den Bereich der Späße, sondern der Straftaten.

Genau. „Süßes oder Saures!“ ist de fakto eine Erpressung. Ich lasse mich nicht Erpressen und sage es jetzt schon. Jeder der heute anruft und versucht mir meine Chips, Pralinen oder Fanta Zero wegzupressen hat mich härtesten Repressalien zu rechnen.

Von den Polizei-Einsätzen in der Westpfalz in der Halloween-Nacht 2010 kann bei 17 Straftaten ein Bezug zu Halloween hergestellt werden. Dazu gehörten vor allem Körperverletzungsdelikte (8) und Sachbeschädigungen (6), aber auch eine Störung der Totenruhe (durch Beschädigung eines Friedhofgrabes) sowie ein Diebstahl, bei dem zwei Fahrräder „verhext“ wurden und spurlos verschwanden.

Körperverletzuung wegen Halloween? Genial. Kürbiskeile.
Sachbeschädigungen. Sechs (!). In der ganzen Westpfalz. Das ist ja pure Dramatik.
Ich sehe schon die Bildzeitung:
„Ländliche Idylle durch Horden von sogenannten Kostümierten erschüttert.
Regierung erwägt Halloween-Verbot“

Und wie stört man eigentlich an einem Fest wie Halloween die Totenruhe?
Also da sollen Geister verscheucht werden. Vor allem die der Toten. Auch eine schicke Schlagzeile:
„Totenruhe gestört, Oma Emmi steht nach 10 Jahren an Halloween wieder auf“

Völlig daneben ging auch der Streich von Jugendlichen in Hochspeyer, die Altöl über eine Fußgängertreppe kippten und an weiteren Örtlichkeiten ausgossen.

Kein Holz mehr zum heizen im Wald gefunden?

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Wer eine Party veranstaltet, sollte daran denken, dass auch Lärmbelästigungen sehr unangenehm sein können – sowohl für die Nachbarn, als auch für den Veranstalter selbst, wenn die Polizei anrücken muss…

Eine schaurig-schöne Nacht – mit viel „Süßem“ und ohne bitteren Nachgeschmack – wünscht Ihnen Ihr Polizeipräsidium Westpfalz!

Liebe Bullen,

wenn ihr aufhört auf jeden Mob mit Pfefferspray zu schiessen der euch nicht passt,
wenn ihr auf Fragen nach Name nicht mehr mit „Steht im Telefonbuch“ antwortet,
wenn ihr nicht mehr mit dem Knüppel auf Leuten rumschlagt die am Boden liegen,
wenn ihr nicht dauernd eure eigenen Berichte fälscht,
wenn Ausländer nicht mehr zufällig die Treppen in Dienststellen runterfallen,
wenn ihr aufhört euch aufzuführen wie Primaten mit Helm und Knüppel,
dann müßte ich mich hier nicht über dieses Pharisäertum auslassen.

Immer dran denken. Es kann auch geschossen werden.

Slainte!