Die Presse, die Freiheit und Wir

Liebe WAZ Gruppe, sehr geehrter Herr Reitz

Als ich ihren Artikel in der Onlineausgabe der WAZ gelesen habe (Link), war ich mir zunächst nicht sicher ob ich lachen oder weinen soll. Für gewöhnlich hake ich so etwas, als gewöhnlicher Basispirat mit Hang zu politisch nicht korrekter Polemik, als wirtschaftsliberalen Unfug ab. Also genau den wirtschaftsliberalen Unfug den zuletzt im Saarland noch 1,2% der Menschen zu glauben bereit waren. Aber wir wären nicht die „Tyrannei der Masse“, wenn nicht der eine oder andere in unseren Reihen sich genötigt sehen würde zu reagieren. Das tue ich nun, mit meiner ganz persönlichen Meinung, die darf man auch kopieren wenn man möchte.

Was mich wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass hier die WAZ unter dem Begriff  „Analyse“ nicht analysiert, sondern ein Kommentar veröffentlicht, der schlichtweg falsche Tatsachen verbreitet. Wohlgemerkt, ich habe kein Problem mit unterschiedlichen Meinungen, wenn sie konsequent und von gut informierten Menschen vertreten werden. Denn gerade dieser Meinungsaustausch ist ein fundamentaler Bestandteil unserer Demokratie. Uninformierte Journalisten sind weniger hilfreich.

Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen, weder theoretisch, noch praktisch, noch faktisch. Selbstverständlich möchten die Vertreter der Wiederverwerter und die konservativen wirtschaftsliberalen das gerne so kommunizieren. Es geht den Piraten um eine Reformierung des Urheberrechtes und eine sinnvolle Überarbeitung der Verwertungsrechte. Das ist im Partei- und Grundsatzprogramm nachzulesen. (Ja, wir haben ein Programm, für jeden einzusehen)

Wir wollen keine Umsonst-Kultur, im Gegenteil, wir möchten Künstler fördern. Es geht nicht um kostenlose Kopien für alle. Diesen argumentativen Tiefflug bemerkt man immer wieder. Die Frage ist, wieviel Geld von dem was man als Bürger in Kunst, Literatur und Musik investieren möchte landet letztlich beim Künstler? Sie fragen weshalb Sven Regener „eine derartige Furore“ mache? Ganz einfach, weil er sich auch nicht genug informiert hat.

Und man kann geistiges Eigentum nicht „rauben“, genauso wenig wie man eine CD „raubkopieren“ kann. Raub ist die gewaltsame Aneignung von fremden Eigentum, welches anschließend in den Besitz des Räubers übergeht. Man kann Ideen, Gedanken und Lieder nicht rauben. Denn auch wenn ich ein Lied singe, dann gehört es nicht mir. Die Idee hatte immer noch der Künstler und der ist, selbstverständlich, dafür zu entlohnen. Und sie fragen zurecht, wovon der Künstler lebt. Oft genug eben nicht von seiner Kunst.

Das einige Politiker nun Aussagen der Piratenpartei, wie sie es nennen, „mit hilfloser Kopie“ übernehmen, führen sie ebenfalls an. Nun, gerne. Und danke. Denn erstens darf man unser Prgramm kopieren, kostenlos und hoffentlich nicht umsonst. Zweitens, wenn genug dieser Ideen dazu führen, dass Politik ehrlicher, transparenter und vor allem menschlicher statt wirtschaftlicher denkt, dann können wir uns gerne wieder dahin begeben wo wir hergekommen sind. Aus dem Lager der jenigen die ihre Stimme nicht für 5 Jahre abgeben wollen an Lobbyistenvertreter und wirtschaftsliberale Industrieanhängsel.

„Wie wäre es mal mit Gegenwehr?“ Das ist die von ihnen gestellte Frage. Hier haben sie meine Gegenwehr. Politik aus Notwehr. Und ein ewiges rumhacken auf den Prinzipien des Wirtschaftswunders hilft da nicht weiter. Wenn ich einen Hut hätte, ich würde ihn vor jeder Trümmerfrau, vor jedem Bergmann und vor jedem anderen Menschen ziehen der nach 1945 den Dreck in diesem Land weggeräumt hat, damit unsere Generation es mal besser hat.

Ich ziehe meinen Hut nicht vor Leuten, die in den letzten 30 Jahren dafür gesorgt haben, dass die Kluft zwischen armen und reichen Menschen immer weiter auseinandergegangen ist, die für eine Politik stehen, die nicht erkannt hat, dass die Bürger in diesem Land die Nase voll haben von Kungeleien, Korruption und Intrigen. Und ich habe einfach keine Lust mehr, dass dieses Land von Menschen regiert wird die nicht FÜR die Menschen, sondern an den Menschen vorbeiregieren. Demokratie, Volksherrschaft. Wie heisst es so schön? Alle Macht geht vom Volke aus. Schön wäre es.

Die Piraten sind jung, wir machen Fehler, wir sind mit Sicherheit auch naiv und ja, wir werden uns noch mehr als einmal ganz gewaltig auf die Nase legen weil uns die Erfahrung im Politikbetrieb fehlt. Wo wir diesen Idealismus hernehmen? Der steht so gar nicht im Programm. Aber wir hatten es schon mal erwähnt, wir sind in einer Sache sehr konservativ, wir halten uns an das Grundgesetz.

Kleiner historischer Rückblick: Im Jahre 1844 hat ein deutscher Politiker, namentlich Robert Blum, einen Satz gesagt mit dem ich nun auch zum Ende kommen möchte: „Es hätte nie ein Christentum und nie eine Reformation und keine Staatsrevolution und überhaupt nichts Gutes und Großes gegeben, wenn jeder stets gedacht hätte: „Du änderst doch nichts!“

Die Piraten möchten etwas ändern. Und dazu stehen wir. Manchmal verspielt, manchmal chaotisch, in jedem Fall aber idealistisch. Denn bei einer Sache sind wir uns alle einig. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Klarmachen zum ändern. Glück Auf