Costa Cordalis gesunken

Ich hab mir das Spektakel jetzt lange genug mit angesehen. Nun ist es vorbei. Celine Dion in den MP3-Player und los geht’s. Die Costa Cordalis ist gesungen. Das war’s. Blubbs und weg. Ich dachte ja Unfälle im Verkehr seien etwas an das ich mich gewöhnen könnte. „Herr Haider, gerade sie dürfen Gas geben, da passiert nix.“ Nein, ausgerechnet ein Schiffsunglück holt wieder alle deutschen Tugenden direkt ans Tageslicht. Eine Sterbeszene die sieben Tage dauert. Und ich dachte schon DiCaprio ist der einzige der ewig braucht um endgültig abzusaufen.

Man beachte die Schlagzeilen der letzten Tage und dann den Aufbau der Tagesschau-Seite heute. Da wird man doch sehkrank.

  • Passagiere berichten über chaotische Evakuierung
  • Interview zur Sicherheit auf Schiffen
  • Telefonat zwischen Hafen und Kapitän „Gehen Sie an Bord, verflucht nochmal!
  • Beim Abrutschen des Schiffs droht eine Katastrophe
  • Taucher in der „Costa Concordia“: „Eine absolut albtraumhafte Arbeit“

Und dann nun heute findet man irgendwo zwischen Völkermord und Öl-Embargo (welch Ironie) die Zeile „Abpumpen des Schweröls spätestens Samstag“. Was lernen wir daraus? Abgesehen davon, dass Umweltnachrichten nur interessant sind wenn man Geigerzähler verkaufen kann, brauchen wir als erstes eine Sensation, dann brauchen wir fette Schlagzeilen die AUCH SIE BETREFFEN könnten. Also gesunkene Passagierschiffe. Frauen die Schamlippen wegsensen oder afrikanische Negerkinder verrecken lassen betrifft uns eher weniger. Dann brauchen wir natürlich Gerechtigkeit. Deutsche Gerechtigkeit besteht oft darin, dass man am Ende mit einem Finger auf den anderen zeigen kann und sagen kann „Er war’s“. Ein Arschloch muss Schuld sein. Wie in Nürnberg. Dreihundert Nazis, aber gefühlte 60 Millionen Widerstandskämpfer. Dann Interviews, betroffene Interviews. Wie schrecklich das alles ist. Wie grauenhaft. Ja, es ist so schlimm, da muss man mit dem Mikro hin und ein Interview führen. Und wenn das nicht hilft, dann fragt man halt mit einer RTL2 Kamera noch den besten Freund vom Nachbarn des Neffen einer Verstorbenen ob’s ihr denn auch so richtig dreckig geht. Seien sie bitte betroffen. Jetzt sofort. Gute Nachrichten zeichnen sich also dadurch aus, dass sie einen betreffen könnten und betroffen machen. Da vergißt man glatt was sonst so alles schief geht in diesem Land.

Ich bin getroffen wirklich.
Ich bin der König des Blogs.