Adventskalender: Das zweite Türchen

Kennt ihr Michel Focault? Sicherlich, der ist schließlich Erfinder der Diskursanalyse. Und die kennt ihr ja alle. Aber was viel wichtiger ist, heute vor genau 41 Jahren hat eben dieser Herr seine Antrittsvorlesung in Paris gehalten. Und, man staune, dabei folgenden Satz rausgehauen:

„Man weiß, daß man nicht das Recht hat, alles zu sagen, daß man nicht bei jeder Gelegenheit von allem sprechen kann, daß schließlich nicht jeder beliebige über alles beliebige reden kann.“

Nun ja, das mag für einen französischen Universitätsprofessor gelten.
Was sagt der Satz nun? Ich fang mal hinten an.
„(…) daß schließlich nicht jeder beliebige über alles beliebige reden kann“
Können schon, nur nicht sollte. Oder um mit den Worten von Dieter Nuhr zu sagen
„Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“

Der erste Teil gestaltet sich schwieriger. „Man weiß, daß man nicht das Recht hat, alles zu sagen, daß man nicht bei jeder Gelegenheit von allem sprechen kann (…)“. Tja, auch solche Gelegenheiten gibt es, aber ich schätze nicht, dass er schonenden Umgang mit Mitmenschen meint, denn es heißt ja Diskursanalysetheorie. Diskurs ist auch immer eine Konfrontation. Ich machs mal wie in der Kirche, reiße den Satz aus dem Kontext und betrachte ihn vom restlichen Werk , welches ich im übrigen nicht kenne, als losgelöst. Ist es nicht grad unsere Aufgabe bei unangenehmen Gelegenheiten auf den Tisch zu hauen? Wenn also der nette Herr im Anzug sich in der Vorweihnachtszeit darüber aufregt, was man denn in „solchen Sachen“ auf dem Weihnachtsmarkt sucht. Und ja, das ist mir schon passiert. Aber dann, genau dann kann man doch in jeder Gelgenheit sagen was man denkt und freundlich erwidern „Ich kann es auch machen wie in Afrika und einfach barfuss laufen, weil ich kein Geld für Schuhe habe, wäre das besser als meine Springerstiefel?“

Verliert den Kopf nicht und den Mut auch nicht, dann zu reden wenn’s sonst keiner tut. Lothar Zenetti hat dazu einen recht fabelhaften Text geschrieben, der von Wecker und/oder Mey gesungen wurde. Damit geht es nun ins Wochende.

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen.
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht.