Adventskalender: Das achte Türchen

In dem Türchen ist Musik heute. Aber erst ganz am Ende. Hallo Welt!

Gestern hat jemand eine Briefbombe an die deutsche Bank geschickt, genauer an Josef Ackermann. Inhaltlich dazu später mehr, möchte ich nun einen Blick auf das entstehen solcher Nachrichten werfen. Gestern konnte man innerhalb von einer Stunde beobachten wie sich Realität drehen kann. Und zwar auf spiegel.de. Ich habe keine Uhrzeiten, aber die Abstände in denen ich die Seite neu geladen habe betrugen ungefähr 10.15 Minuten. Auf geht’s. Das was von einem zum nächsten Mal gleich geblieben ist wurde kursiv und grau gesetzt.

1. Version

Paketbombe an Ackermann abgefangen
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Anschlagversuch per Post?

Deutschlands Top-Banker Josef Ackermann ist offenbar einem Anschlag entgangen. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass eine an den Finanzmanager adressierte Paketbombe abgefangen wurde.
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2. Version

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Anschlagversuch per Post?

Alarm in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank: Dort wurde ein verdächtiges Paket abgefangen. Die Sendung war an Konzernchef Ackermann adressiert.

Frankfurt am Main/Berlin – Im Deutsche-Bank-Sitz in Frankfurt wurde am Mittwochmittag in der Poststelle ein verdächtiges Paket abgefangen. Der Adressat: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Quellen.

Demnach habe es sich um eine Paketbombe mit Sprengstoff gehandelt. Die Polizei in New York verschärfte daraufhin ihre Sicherheitsvorkehrungen rund um die Büros des größten deutschen Geldhauses in der Metropole.

Die Deutsche Bank bestätigte den Eingang einer verdächtigen Sendung und teilte mit, dass die Polizei die Ermittlungen aufgenommen habe. Laut Bankenkreisen wurde die Sendung frühzeitig abgefangen.

Der Umschlag werde untersucht, teilte die Polizei in Frankfurt am Abend mit. Es gebe keine Bestätigung, dass die Sendung Sprengstoff enthalten habe, wie es zuvor Vertreter der US-Sicherheitsbehörden erklärt hatten.
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3. Version

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Anschlagversuch per Post?

Alarm in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank: Dort wurde ein verdächtiges Paket abgefangen. Die Sendung war an Konzernchef Ackermann adressiert.

Frankfurt am Main/Berlin – Im Deutsche-Bank-Sitz in Frankfurt wurde am Mittwochmittag in der Poststelle ein verdächtiges Paket abgefangen. Der Adressat: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Quellen.

Demnach habe es sich um eine Paketbombe mit Sprengstoff gehandelt. Auf dem Paket soll als Absender die Europäische Zentralbank (EZB) gestanden haben. Die EZB hat ihren Hauptsitz ebenfalls in Frankfurt. Die Polizei in New York verschärfte daraufhin ihre Sicherheitsvorkehrungen rund um die Büros des größten deutschen Geldhauses in der Metropole.

Die Deutsche Bank bestätigte den Eingang einer verdächtigen Sendung und teilte mit, dass die Polizei die Ermittlungen aufgenommen habe. Laut Bankenkreisen wurde die Sendung frühzeitig abgefangen.

Der Umschlag werde untersucht, teilte die Polizei in Frankfurt am Abend mit. Es gebe keine Bestätigung, dass die Sendung Sprengstoff enthalten habe, wie es zuvor Vertreter der US-Sicherheitsbehörden erklärt hatten. Die Sendung sei von Experten des Landeskriminalamtes abgeholt worden und werde derzeit untersucht, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Polizei am Abend.

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4. Version

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Anschlagversuch per Post?

Alarm in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank: Dort wurde ein verdächtiges Paket abgefangen. Die Sendung war an Konzernchef Ackermann adressiert. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Frankfurt am Main/Berlin – Im Deutsche-Bank-Sitz in Frankfurt wurde am Mittwochmittag in der Poststelle ein verdächtiges Paket abgefangen. Der Adressat: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

In der Konzernzentrale sei am Mittwochmittag gegen 12 Uhr eine an ihn persönlich adressierte größere Briefsendung angekommen und routinemäßig geröntgt worden, wie eine Polizeisprecherin am Abend sagte. Als beim Durchleuchten verdächtige Formen auftauchten, alarmierten die Bankangestellten die Polizei.(fehlend: Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Quellen.)

Die Deutsche Bank bestätigte den Eingang einer verdächtigen Sendung und teilte mit, dass die Polizei die Ermittlungen aufgenommen habe. Der Umschlag werde untersucht, erklärte die Polizei in Frankfurt. Es gebe keine Bestätigung, dass die Sendung Sprengstoff enthalten habe, wie es zuvor Vertreter der US-Sicherheitsbehörden gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt hatten. Die Sendung sei von Experten des Landeskriminalamtes abgeholt worden und werde derzeit untersucht,hieß es.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen hochrangigen Mitarbeiter der US-Strafverfolgungsbehörden, wonach die Sendung vorläufigen Untersuchungen zufolge Sprengstoff und Bombensplitter enthielt. Nach Informationen des US-Mitarbeiters war als Rücksendeadresse die ebenfalls in Frankfurt ansässige Europäische Zentralbank angegeben worden. Nach dem Fund seien die Sicherheitsvorkehrungen in den New Yorker Büros des größten deutschen Kreditinstituts erhöht worden.

Zitatorgie Ende.

Was lernen wir daraus? Aus einer Briefbombe wird erst ein verdächtiges Paket, dann eine Untersuchung, dann kommen Quellen, dann gehen Quellen und nun die Pointe. Ich mach heute die Spiegelseite auf und lese folgendes:

Der Fall ist offenbar ernster als zunächst angenommen. Der in der Deutschen Bank abgefangene Brief an Josef Ackermann enthielt laut Kriminalpolizei eine funktionsfähige BombeDie kapitalismuskritische Bewegung Occupy verurteilt den Anschlagsversuch.

Einfach mal sacken lassen wie deutscher Journalismus funktioniert. Nicht nur das man das „zunächst angenommen“ nicht definieren kann, nein. Wen haben sie denn befragt um herauszufinden was die Occupy Bewegung sagt? Na? Den Sprecher? Okay, sie haben einen gefragt. Einen. Eine Idee hat keinen Sprecher ihr Pappnasen.

Inzwischen wissen wir nun auch wer es war. Italienische Anarchisten. Sagt der Spiegel. Um direkt danach von ‚Linksetremisten‘ zu reden. Okay, man MUSS Extremismus in der heutigen Zei erwähnen um für voll genommen zu werden, aber lest selber.

Italienische Linksextremisten haben nach eigenen Angaben die Briefbombe an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verschickt. Laut dem hessischen Landeskriminalamt enthielt die Sendung das Bekennerschreiben einer Gruppe namens „FAI“ – Federazione Anarchica Informale. In dem Schreiben sei von „drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“ die Rede.

Und nun, zur Adventszeit eine kleine Ansprache in persönlicher Sache von mir.

Liebe italienische Anarchisten,
ihr habt die Möglichkeit zu demonstrieren, ihr könnt wählen gehen. Ihr könnt die Mafia beauftragen. Ihr habt Berlusconi wegbekommen. Ihr habt großartigen Fußball und eine Wahnsinnsstimmung. Eine Stadt, die nur auf Wasser schwimmt. Den heiligen Vater mitten im Land. Eine jahrtausendalte Gechichte. Ihr seid Mitglied der europäischen Union. Teil eines großen Ganzen. Ist Gewalt wirklich eine legitime Lösung? Muss man Leuten wie Ackermann wirklich eine Bombe unter’m Arsch hochgehen lassen. Muss man den Mann dafür bestrafen, dass er ein geldgeiles, korruptes Stück Bankendreck ist? Sind wir denn wieder so weit, dass man nur noch mit Gewalt gegen Institutionen und Personen weiterkommt? Ist es denn wirklich so schlimm, dass der Mann mehrere Millionen im Jahr verdient, mehr Geld in einem Monat scheffelt als andere Leute in 5 Jahren? Er hat doch wirklich einen verantwortungsvollen Job im Gegensatz zu den Krankenschwestern und- pflegern die mit viel weniger auskommen. Den Dreck auf der Straße, vor seiner(!) Straße, muss weggekehrt werden. Das er mehr für einen Anzug ausgibt als ein Straßenkehrer im Monat verdient ist doch egal, oder? Man kann doch nicht einfach in einer Welt in der die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden nicht einfach mit Gewalt reagieren. Wie soll der arme Mann denn nun Abends in Ruhe seinen Champaner genießen. Muss das alles sein?