Adventskalender: Das 19te Türchen

Es gibt die eine oder andere Seite auf der man sich im Internet Filme anschauen kann. Das ist auch ganz gut so, denn für irgendwas müsen die ganzen GEMA und GEZ Gebühren ja gut sein. Da surft man so rum und ich finde einen Film namens „Abendland“ und schaue mir die Beschreibung an. Die sagt noch nicht so viel und unten drunter finde ich einen Kommentar.

Tatsächlich bietet dieser Dokumentarfilm einige sehr kraftvolle Bilder, die freilich nur Alltagsszenen zeigen, oder besser Allnachtsszenen. Es gibt einige Parallelen zu Koyaanisqatsi, besonders wenn der dumpfe Wahnsinn der Masse gezeigt wird und dessen Massenversorgung, aber einen roten Faden oder gar einen Soundtrack ala Phillip Glass gibt es hier nicht. Es wird auf jeglichen Kunstgriff verzichtet. Allein die Dunkelheit unterstreicht die Einsamkeit des Individuums inmitten summender, piepsender und blinkender Technik. Wirklich Natürlich erscheint der Mensch dann nur noch beim „Pieps“ – der aber auch rein kommerziell ist. Man darf solch einen Film nicht als Movie im üblichen Sinne auffassen, sondern ihn betrachten wie ein Gemälde. Dann entfaltet er auch seine Qualität, die weit besser ist, als vieles andere das wir moderne Kunst nennen.

Ein Film also, der auf jeden Kunstgriff verzichtet. Die „Dunkelheit unterstreicht die Einsamkeit des Individuums in der Technik“. Oha. Sehr schön auch „Man darf solch einen  Film nicht als Movie im üblichen Sinne auffassen“. Ach so, der Film ist gar kein Film. Sondern ein Bild was sich bewegt. Ich weiß nicht ob ihr es wußtet, aber ein Film ist eine Folge von Bildern. Und wenn man die aneinander reiht, dann sehen sie so aus als würden sie sich bewegen.

Persönlich betrachte ich Gezeigtes (eigtl. dort Erlebtes) als hohl und die auf diese Hohlheit beruhenden Werte, die umfochten werden nur als leere Worthülsen. Europa hat sein Innenleben, den Geist abgeschafft und nun soll die Materie das Heiland sein. Seht es mir nach und schaut Euch den Film selber an. Er ist auf jeden Fall zäh zu schauen. Vielleicht was für diejenigen, die über Werteverfall und die von maßgebenden Stellen vorgelebte Sinnlosigkeit eine Arbeit schreiben müssen.

Mich erinnert das ein bisschen an die ewigen Analysen von wirklich schönen Gedicht, dreifach gehoppelter Jambus, was will uns der Autor damit sagen? Warum bitte muss ich 8 Zeilen hochtrabenden Mist schreiben? Für diesen Film scheint das gleiche zu gelten wie für eine Badewanne von Jupp Beuys. Sieht scheisse aus und kann nix. Und damit kann man doch inhaltlich genausoviel anfangen, oder?