10 Punkte Leidkultur

Die Misere.
Sie hat es schon wieder getan.
Sie hat gesprochen.
Der Mann, dessen feuchte Träume bei einem Überwachungsstaat erst beginnen, hat einen 10 Punkte Plan vorgestellt.

1. Gesicht zeigen

„Wir legen Wert auf ei­ni­ge so­zia­le Ge­wohn­hei­ten, nicht weil sie In­halt, son­dern weil sie Aus­druck einer be­stimm­ten Hal­tung sind: Wir sagen un­se­ren Namen.“
Genau. Hallo, ich bin schreibrephorm. Leute, die mich länger kennen, nennen mich Phörmchen.

„Wir geben uns zur Be­grü­ßung die Hand.“
Zur Begrüßung schreibe ich meistens: o/
Und Nein, das ist keine gute, alte, deutsche Tradition den Arm zu haben, sondern ein winkender Arm.

„Bei De­mons­tra­tio­nen haben wir ein Ver­mum­mungs­ver­bot. „Ge­sicht zei­gen“ – das ist Aus­druck un­se­res de­mo­kra­ti­schen Mit­ein­an­ders.“
Deswegen erkennt man die Polizisten unter dem Helmen mit den Sturmhauben auch so gut. (Während sie auf die Leute einprügeln)

„Im All­tag ist es für uns von Be­deu­tung, ob wir bei un­se­ren Ge­sprächs­part­nern in ein freund­li­ches oder ein trau­ri­ges Ge­sicht bli­cken.“
Nein, ist es nicht. Den meisten Leuten ist es scheißegal wie es dem anderen geht. Hauptsache man hat selber genug.

„Wir sind eine of­fe­ne Ge­sell­schaft.“
Wir binden nur ab und zu Asylbewerber an Bäume, zünden Heime an und niemand würde bei uns auf die Idee kommen „Jude“, „schwul“ und „behindert“ als Schimpfwort zu nutzen. So offen sind wir.

„Wir zei­gen unser Ge­sicht. Wir sind nicht Burka.“
Weil ein Vermummungsverbot gilt? Das ist von der Logik her so verquer, das ist nicht zu fassen. Von der Gramamtik möchte ich nicht reden.

2. Bildung

„Wir sehen Bil­dung und Er­zie­hung als Wert und nicht al­lein als In­stru­ment. Schü­ler ler­nen – manch­mal zu ihrem Un­ver­ständ­nis – auch das, was sie im spä­te­ren Be­rufs­le­ben wenig brau­chen. Ei­ni­ge for­dern daher, Schu­le solle stär­ker auf spä­te­re Be­ru­fe vor­be­rei­ten. Das ent­spricht aber nicht un­se­rem Ver­ständ­nis von Bil­dung. All­ge­mein­bil­dung hat einen Wert für sich. Die­ses Be­wusst­sein prägt unser Land.“

Wer ist eigentlich dieses „Wir“ – versucht dieser ewig gestrige, rechts außen positionierte Abklatsch einer Propagandaabteilung da irgendwas? Und was das Land prägt, ist sicherlich NICHT irgendein  Bildungsideal. Noch nicht mal das von Humboldt. Ich hatte das Vergnügen mir jahrelang zu Weihnachten dem Bodensatz des gesunden Menschenverstandes, der jetzt Fakenews und die AFD für toll hält, bei Gesprächen über Verkehrspolitik, Ausländer und Krankheiten zuzuhören. Niemand hat da über Bildung geredet. Das ist Vielleicht das Wunschbild von Leuten aus Hugenottenfamilien mit Künstlerhintergrund. Oder von irgendwelchen calvinistischen Grünen, die mit goldenem Löffel im Arsch aufgewachsen sind und jetzt ihren SUV vorm Bioladen parken.

 

3. Leistung

„Wir sehen Leis­tung als etwas an, auf das jeder Ein­zel­ne stolz sein kann. Über­all: im Sport, in der Ge­sell­schaft, in der Wis­sen­schaft, in der Po­li­tik oder in der Wirt­schaft. Wir for­dern Leis­tung. Leis­tung und Qua­li­tät brin­gen Wohl­stand. Der Leis­tungs­ge­dan­ke hat unser Land stark ge­macht. Wir leis­ten auch Hilfe, haben so­zia­le Si­che­rungs­sys­te­me und bie­ten Men­schen, die Hilfe brau­chen, die Hilfe der Ge­sell­schaft an. Als Land wol­len wir uns das leis­ten und als Land kön­nen wir uns das leis­ten. Auch auf diese Leis­tung sind wir stolz.“

Die verschriftliche Koalitionsanfrage an die FDP. Da fehlt nur noch „Und wer nichts leistet, ist nichts wert“ – weil in diesem Land Leistung immer noch zu oft mit Einkommen verwechselt wird. Ich empfehle Saltatio Mortis zu dem Thema.

 

4. Traditionen

„Wir sind Erben un­se­rer Ge­schich­te mit all ihren Höhen und Tie­fen. Un­se­re Ver­gan­gen­heit prägt un­se­re Ge­gen­wart und un­se­re Kul­tur. Wir sind Erben un­se­rer deut­schen Ge­schich­te. Für uns ist sie ein Rin­gen um die Deut­sche Ein­heit in Frei­heit und Frie­den mit un­se­ren Nach­barn, das Zu­sam­men­wach­sen der Län­der zu einem fö­de­ra­len Staat, das Rin­gen um Frei­heit und das Be­kennt­nis zu den tiefs­ten Tie­fen un­se­rer Ge­schich­te. Dazu ge­hört auch ein be­son­de­res Ver­hält­nis zum Exis­tenz­recht Is­raels.“

Welche Traditionen meint er eigentlich? Da steht nur „unsere Kultur“ und die wird ja unter dem nächsten Punkt erklärt. Was meint er also mit Traditionen? 80 Jahre nach den Nazis endlich mal wieder welche wählen zu dürfen? Und wegen der Sache mit Israel: Hat Sigmar Gabriel diesen Text gelesen?

 

5. Kultur

„Wir sind Kul­tur­na­ti­on.“
EINE. Es heißt „Wir sind eine Kulturnation“. Und die Aussage ist so unbestimmt wie der Artikel, der in dem Satz fehlt.

„Kaum ein Land ist so ge­prägt von Kul­tur und Phi­lo­so­phie wie Deutsch­land. Deutsch­land hat gro­ßen Ein­fluss auf die kul­tu­rel­le Ent­wick­lung der gan­zen Welt ge­nom­men.“
In kurz: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.

„Bach und Goe­the „ge­hö­ren“ der gan­zen Welt und waren Deut­sche. Wir haben unser ei­ge­nes Ver­ständ­nis vom Stel­len­wert der Kul­tur in un­se­rer Ge­sell­schaft. Es ist selbst­ver­ständ­lich, dass bei einem po­li­ti­schen Fest­akt oder bei einem Schul­ju­bi­lä­um Musik ge­spielt wird.“
Ja. Und bei Beerdigungen. Und bei Nazimärschen.

„Bei der Er­öff­nung eines gro­ßen Kon­zert­hau­ses sind – wie selbst­ver­ständ­lich – Bun­des­prä­si­dent, Ver­tre­ter aus Re­gie­rung, Par­la­ment, Recht­spre­chung und Ge­sell­schaft vor Ort. Kaum ein Land hat zudem so viele Thea­ter pro Ein­woh­ner wie Deutsch­land.“
Okay. Und jetzt? Ich begrüße Kultur. Ich begrüße vor allem mit anderen über Kultur zu reden. Auch gerne über andere Kulturen. Das geht aber nicht, wenn die Leute wieder ausgewiesen werden, oder alternativ die Integration so Scheiße ist, dass ich mit den Menschen nicht reden kann.

„Jeder Land­kreis ist stolz auf seine Mu­sik­schu­le. Kul­tur in einem wei­ten Sinne, unser Blick dar­auf und das, was wir dafür tun, auch das ge­hört zu uns.“
‚Und? Wo ziehst du hin?‘ – ‚Nach Gelsenkirchen, die haben so eine geile Musikschule, die macht mich stolz.‘ (Kein Schalker, jemals)

 

6. Religion

„In un­se­rem Land ist Re­li­gi­on Kitt und nicht Keil der Ge­sell­schaft. Dafür ste­hen in un­se­rem Land die Kir­chen mit ihrem un­er­müd­li­chen Ein­satz für die Ge­sell­schaft. Sie ste­hen für die­sen Kitt – sie ver­bin­den Men­schen, nicht nur im Glau­ben, son­dern auch im täg­li­chen Leben, in Kitas und Schu­len, in Al­ten­hei­men und ak­ti­ver Ge­mein­de­ar­beit. Ein sol­cher Kitt für un­se­re Ge­sell­schaft ent­steht in der christ­li­chen Kir­che, in der Syn­ago­ge und in der Mo­schee. Wir er­in­nern in die­sem Jahr an 500 Jahre Re­for­ma­ti­on.

Für die Tren­nung der christ­li­chen Kir­chen hat Eu­ro­pa, hat Deutsch­land einen hohen Preis ge­zahlt. Mit Krie­gen und jahr­hun­der­te­lan­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Deutsch­land ist von einem be­son­de­ren Staat-Kir­chen-Ver­hält­nis ge­prägt. Unser Staat ist welt­an­schau­lich neu­tral, aber den Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten freund­lich zu­ge­wandt. Kirch­li­che Fei­er­ta­ge prä­gen den Rhyth­mus un­se­rer Jahre. Kirch­tür­me prä­gen un­se­re Land­schaft. Unser Land ist christ­lich ge­prägt. Wir leben im re­li­giö­sen Frie­den. Und die Grund­la­ge dafür ist der un­be­ding­te Vor­rang des Rechts über alle re­li­giö­sen Re­geln im staat­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­le­ben.“

Das ausgerechnet ER an die Reformation erinnern muss, war ja so klar. Und nein, der Staat ist NICHT weltanschaulich neutral. Sonst würden wir nicht von einer „christlichen“ Partei regiert. War er nie, sollte er aber sein. Und das er hinter „Kirchtürme“ nicht geschrieben hat „und keine Moscheen“ ist rhetorisch genau so klug wie verlogen. Religion ist Privatsache. Aber das begreifen die niemals.

 

7. Zivilkultur

„Wir haben in un­se­rem Land eine Zi­vil­kul­tur bei der Re­ge­lung von Kon­flik­ten. Der Kom­pro­miss ist kon­sti­tu­tiv für die De­mo­kra­tie und unser Land.“
Wie man sich halt die Verlogenheit der Politik und der Diplomatie schönreden kann, nicht wahr?

„Viel­leicht sind wir stär­ker eine kon­sens­ori­en­tier­te Ge­sell­schaft als an­de­re Ge­sell­schaf­ten des Wes­tens.“
Hallo? Abgrenzender Nationalismus? Brauch ich nicht.
(Außer die schottische und irische Unabhängigkeit von….ach lassen wir das. Jeder hat das Recht auf Double Standards)

„Zum Mehr­heits­prin­zip ge­hört der Min­der­hei­ten­schutz. Wir stö­ren uns daran, dass da ei­ni­ges ins Rut­schen ge­ra­ten ist.“
Und Afghanistan ist ein sicheres Herkunftsland, ne?

„Für uns sind Re­spekt und To­le­ranz wich­tig. Wir ak­zep­tie­ren un­ter­schied­li­che Le­bens­for­men und wer dies ab­lehnt, stellt sich au­ßer­halb eines gro­ßen Kon­sen­ses.“
Ehe für alle gibt es trotzdem nicht. So tolerant sind wir.

„Ge­walt wird weder bei De­mons­tra­tio­nen noch an an­de­rer Stel­le ge­sell­schaft­lich ak­zep­tiert. Wir ver­knüp­fen Vor­stel­lun­gen von Ehre nicht mit Ge­walt.“
Definiere Gewalt. (scnr)

 

8. Aufgeklärter Patriotismus

„Wir sind auf­ge­klär­te Pa­trio­ten. Ein auf­ge­klär­ter Pa­tri­ot liebt sein Land und hasst nicht an­de­re. Auch wir Deut­schen kön­nen es sein. „Und weil wir dies Land ver­bes­sern, lie­ben und be­schir­men wir‘s. Und das liebs­te mag‘s uns schei­nen, so wie an­dern Völ­kern ihrs, so heißt es in der Kin­der­hym­ne von Bert Brecht. Ja, wir hat­ten Pro­ble­me mit un­se­rem Pa­trio­tis­mus. Mal wurde er zum Na­tio­na­lis­mus, mal trau­ten sich viele nicht, sich zu Deutsch­land zu be­ken­nen. All das ist vor­bei, vor allem in der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on. Un­se­re Na­tio­nal­fah­ne und un­se­re Na­tio­nal­hym­ne sind selbst­ver­ständ­li­cher Teil un­se­res Pa­trio­tis­mus: Ei­nig­keit und Recht und Frei­heit.“

Wir haben ihn endlich wieder, unseren Nationalstolz
Wir atmen auf, es stirbt der Wald
Wir sind eben aus ganz besonderem deutschen Holz
Wir sind eiskalt, wir sind wieder wer – wer nur ?
Zweifelsfrei deutsch pur

Wir tanzen, tanzen, tanzen der ganzen Welt vor
Wir zeigen, zeigen, zeigen ihr den Schritt
Wir wissen endlich wieder wo es langgeht
Was ansteht – grundsolide, grundgut

Asylanten weisen wir vor unsere Schranken
So verfolgt kann keiner sein
Deutschland wird allzu sehr als Paradies missverstanden
Wir lassen keinen mehr rein

Wir sind Christen, falten unsere Hände
Schließen dabei die Augen zu
Preisen Gott und die geistige Wende
Spielen Blinde Kuh
Wir wollen unsere Herren loben
Alles gute kommt von oben

Grönemeyer, Tanzen (1986)

 

9. Teil Europas

„Unser Land hatte viele Zä­su­ren zu be­wäl­ti­gen. Ei­ni­ge davon waren mit Grund­ent­schei­dun­gen ver­bun­den. Eine der wich­tigs­ten lau­tet: Wir sind Teil des Wes­tens.“
Einfach noch mal hoch scrollen und lesen ‚Ein auf­ge­klär­ter Pa­tri­ot liebt sein Land und hasst nicht an­de­re‘ – Hassen nicht, aber abgrenzen muss man sich schon, ja?

„Kul­tu­rell, geis­tig und po­li­tisch. Die NATO schützt un­se­re Frei­heit. Sie ver­bin­det uns mit den USA, un­se­rem wich­tigs­ten au­ßer­eu­ro­päi­schen Freund und Part­ner. Als Deut­sche sind wir immer auch Eu­ro­pä­er. Deut­sche In­ter­es­sen sind oft am bes­ten durch Eu­ro­pa zu ver­tre­ten und zu ver­wirk­li­chen. Um­ge­kehrt wird Eu­ro­pa ohne ein star­kes Deutsch­land nicht ge­dei­hen. Wir sind viel­leicht das eu­ro­päischs­te Land in Eu­ro­pa – kein Land hat mehr Nach­barn als Deutsch­land.“

Jahaaaa, Frankreich, Österreich und das Serbien gucken da mit nur 8 (statt 9) Nachbarländern ganz schon blöd aus der Wäsche. So deutsch wie wir werden die nie. Denen fehlt ein Nachbar.

„Die geo­gra­fi­sche Mit­tel­la­ge hat uns über Jahr­hun­der­te mit un­se­ren Nach­barn ge­formt, frü­her im Schwie­ri­gen, jetzt im Guten. Das prägt unser Den­ken und un­se­re Po­li­tik.“
Kann mal wer nachzählen wie viele Nachbarn wir im November 1942 hatten? Also nicht die eingemeideten, die wir mit Leidkultur via Einmarschieren beglückt haben.

 

10. Kollektives Gedächtnis

„Wir haben ein ge­mein­sa­mes kol­lek­ti­ves Ge­dächt­nis für Orte und Er­in­ne­run­gen. Das Bran­den­bur­ger Tor und der 9. No­vem­ber sind zum Bei­spiel ein Teil sol­cher kol­lek­ti­ven Er­in­ne­run­gen. Oder auch der Ge­winn der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaf­ten. Re­gio­na­les kommt hinzu: Kar­ne­val, Volks­fes­te. Die hei­mat­li­che Ver­wur­ze­lung, die Markt­plät­ze un­se­rer Städ­te. Die Ver­bun­den­heit mit Orten, Ge­rü­chen und Tra­di­tio­nen. Lands­mann­schaft­li­che Men­ta­li­tä­ten, die am Klang der Spra­che jeder er­kennt, ge­hö­ren zu uns und prä­gen unser Land.“

Wir sind die Deutschen, sie werden assimiliert werden. Widerstand ist Zwecklos.

 

tl;dr : Ich war nicht Papst, Ich war nicht Weltmeister, Ich will nicht Deutschland sein. Steck dir deine Leitkulturscheiße in den Arsch.